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Was ist ein ERP-Projekt?

 

Unklare Anforderungen, fehlerhafte Daten und überlastete Projektteams können die Einführung einer neuen Unternehmenssoftware erheblich erschweren. Ein strukturiertes ERP-Projekt schafft klare Ziele, verbindliche Verantwortlichkeiten und einen kontrollierten Weg vom ersten Bedarf bis zum stabilen Betrieb. Doch was genau ist ein ERP-Projekt, welche Phasen gehören dazu und worauf müssen Unternehmen besonders achten?

ERP Projekt

1. Was ist ein ERP-Projekt? Definition und Einordnung

Ein ERP-Projekt ist ein zeitlich und organisatorisch geplantes Vorhaben zur Auswahl, Einführung, Ablösung, Erweiterung oder grundlegenden Modernisierung eines Enterprise-Resource-Planning-Systems. Ein ERP-System verbindet zentrale Unternehmensbereiche wie Einkauf, Vertrieb, Materialwirtschaft, Lager, Produktion, Service, Finanzwesen und Controlling in einer gemeinsamen Software- und Datenumgebung.

Das ERP-Projekt umfasst nicht nur die technische Installation der Software. Es betrifft auch Geschäftsprozesse, Datenstrukturen, Rollen, Verantwortlichkeiten, Schnittstellen und die Arbeitsweise der Mitarbeitenden. Deshalb ist ein ERP-Projekt in erster Linie ein Unternehmens- und Organisationsprojekt mit einem starken IT-Anteil.

Je nach Ausgangslage kann ein ERP-Projekt unterschiedliche Formen annehmen:

  • ✅ erstmalige ERP-Einführung
  • ✅ Ablösung eines bestehenden ERP- oder Altsystems
  • ✅ Migration auf eine neue ERP-Generation
  • ✅ Wechsel von einer lokalen Installation zu Cloud ERP
  • ✅ Integration zusätzlicher Standorte oder Gesellschaften
  • ✅ Einführung weiterer ERP-Module
  • ✅ Harmonisierung unterschiedlicher Systeme und Prozesse
  • ✅ grundlegende Neugestaltung bestehender Unternehmensprozesse

Kurzdefinition: Ein ERP-Projekt ist ein strukturiertes Unternehmensvorhaben, bei dem eine ERP-Lösung ausgewählt, eingeführt oder modernisiert wird, um Prozesse, Daten und Ressourcen in einem integrierten System zu planen und zu steuern.

Der Begriff ERP-Projekt darf nicht mit ERP-Projektmanagement verwechselt werden. Ein ERP-Projekt bezeichnet das gesamte Vorhaben rund um Auswahl, Implementierung und Betrieb eines ERP-Systems. ERP-Projektmanagement kann dagegen auch eine Funktion innerhalb einer ERP-Software bezeichnen, mit der Kundenprojekte, Termine, Ressourcen, Leistungen und Projektkosten gesteuert werden.

2. Warum starten Unternehmen ein ERP-Projekt?

Ein ERP-Projekt beginnt meist nicht allein mit dem Wunsch nach einer neuen Software. Häufig besteht ein konkreter organisatorischer, technischer oder strategischer Handlungsbedarf. Das vorhandene System unterstützt die Entwicklung des Unternehmens nicht mehr ausreichend oder zentrale Prozesse sind auf immer mehr Einzelanwendungen verteilt.

AuslöserTypische Ausgangssituation
Auslöser Veraltete SystemlandschaftTypische Ausgangssituation Das bestehende System wird nicht mehr weiterentwickelt, ist schwer wartbar oder unterstützt neue Anforderungen nur eingeschränkt.
Auslöser MedienbrücheTypische Ausgangssituation Daten werden zwischen ERP, Tabellen, E-Mails und Spezialanwendungen mehrfach übertragen.
Auslöser UnternehmenswachstumTypische Ausgangssituation Neue Standorte, Gesellschaften, Absatzkanäle oder größere Datenmengen können mit der bisherigen Lösung nicht effizient gesteuert werden.
Auslöser Fehlende TransparenzTypische Ausgangssituation Aktuelle Informationen zu Aufträgen, Beständen, Kosten, Auslastung oder Lieferterminen sind nicht zentral verfügbar.
Auslöser Uneinheitliche ProzesseTypische Ausgangssituation Abteilungen oder Standorte arbeiten mit unterschiedlichen Abläufen, Datenmodellen und Systemen.
Auslöser Hoher manueller AufwandTypische Ausgangssituation Wiederkehrende Tätigkeiten werden manuell ausgeführt und Informationen mehrfach gepflegt.
Auslöser Neue GeschäftsanforderungenTypische Ausgangssituation Das Unternehmen benötigt zusätzliche Funktionen, Integrationen, digitale Services oder flexiblere Betriebsmodelle.
Auslöser UnternehmensübernahmenTypische Ausgangssituation Unterschiedliche Systemlandschaften und Datenstrukturen müssen zusammengeführt werden.

Ein technischer Anlass allein reicht jedoch nicht aus, um ein ERP-Projekt sinnvoll zu steuern. Unternehmen sollten aus dem Auslöser konkrete fachliche Ziele ableiten. Die Ablösung eines alten Systems ist beispielsweise ein Anlass. Ein besser steuerbarer Auftragsprozess, zuverlässigere Bestandsinformationen oder eine einheitliche Datenbasis sind dagegen mögliche Projektziele.

3. Welche Ziele verfolgt ein ERP-Projekt?

Die Projektziele bilden den Maßstab für Anforderungen, Prioritäten und spätere Erfolgskontrollen. Allgemeine Aussagen wie „Wir möchten digitaler werden“ oder „Wir wollen effizienter arbeiten“ sind dafür zu ungenau. Ein gutes Ziel beschreibt, welcher Zustand nach dem ERP-Projekt erreicht sein soll und wie die Zielerreichung überprüft werden kann.

Typische Ziele eines ERP-Projekts sind:

  • ✅ eine einheitliche Datenbasis für mehrere Unternehmensbereiche schaffen
  • ✅ Medienbrüche und doppelte Dateneingaben reduzieren
  • ✅ Geschäftsprozesse standardisieren und vereinheitlichen
  • ✅ Transparenz über Bestände, Aufträge, Kosten und Termine verbessern
  • ✅ Planung und Disposition zuverlässiger unterstützen
  • ✅ manuelle Routinetätigkeiten reduzieren
  • ✅ verschiedene Standorte oder Gesellschaften integrieren
  • ✅ Verantwortlichkeiten und Freigabeprozesse klarer gestalten
  • ✅ belastbare Auswertungen für Management und Controlling bereitstellen
  • ✅ die Systemlandschaft vereinfachen
  • ✅ zukünftiges Wachstum organisatorisch und technisch unterstützen

Ziele sollten priorisiert werden. Nicht jede gewünschte Verbesserung muss Teil des ersten Produktivstarts sein. Eine klare Trennung zwischen zwingend erforderlichen Anforderungen, wichtigen Anforderungen und späteren Ausbaustufen hilft, den Projektumfang beherrschbar zu halten.

4. Wer gehört zum ERP-Projektteam?

Ein ERP-Projekt kann nicht ausschließlich von der IT-Abteilung durchgeführt werden. Die Fachbereiche kennen die täglichen Abläufe, Sonderfälle und fachlichen Abhängigkeiten. Die IT bewertet dagegen unter anderem Architektur, Sicherheit, Berechtigungen, Schnittstellen und technische Betriebsfragen. Beide Perspektiven müssen zusammengeführt werden.

RolleTypische Verantwortung
Rolle Geschäftsführung oder LenkungskreisTypische Verantwortung Gibt Ziele und Rahmenbedingungen vor, setzt Prioritäten und entscheidet bei grundlegenden Konflikten.
Rolle ProjektleitungTypische Verantwortung Koordiniert Termine, Aufgaben, Entscheidungen, Risiken, Kommunikation und Projektfortschritt.
Rolle Key UserTypische Verantwortung Vertreten die Fachbereiche, beschreiben Anforderungen, beurteilen Sollprozesse, testen das System und unterstützen Schulungen.
Rolle ProzessverantwortlicheTypische Verantwortung Entscheiden über die zukünftige Gestaltung bestimmter Geschäftsprozesse.
Rolle IT-VerantwortlicheTypische Verantwortung Bearbeiten technische Infrastruktur, Sicherheit, Benutzerverwaltung, Schnittstellen und Betriebsfragen.
Rolle DatenverantwortlicheTypische Verantwortung Steuern Bereinigung, Zuordnung, Migration und Qualitätskontrolle der Daten.
Rolle ERP-Anbieter oder ImplementierungspartnerTypische Verantwortung Berät bei Konfiguration und Umsetzung und bringt System- sowie Einführungskompetenz ein.
Rolle TestverantwortlicheTypische Verantwortung Planen Testfälle, dokumentieren Ergebnisse und koordinieren Fehlerkorrekturen.

⚠️ Ein häufiger Engpass ist die fehlende Verfügbarkeit der Key User. Besonders erfahrene Fachkräfte sind meist stark in das Tagesgeschäft eingebunden. Wenn sie Anforderungen, Tests und Entscheidungen nur nebenbei bearbeiten können, entstehen Verzögerungen und Qualitätsprobleme. Die Projektarbeit sollte deshalb verbindlich eingeplant und organisatorisch abgesichert werden.

5. Welche Phasen hat ein ERP-Projekt?

Die genaue Gliederung hängt vom Unternehmen, Projektumfang, ERP-System und gewählten Vorgehensmodell ab. Inhaltlich lassen sich ERP-Projekte jedoch in typische Phasen unterteilen.

Phase 1: Projektinitialisierung und Zieldefinition

Zu Beginn werden Ausgangslage, Handlungsbedarf und strategische Ziele geklärt. Das Unternehmen bestimmt den Projektumfang, benennt Verantwortliche und prüft, welche internen Kapazitäten verfügbar sind.

Wichtige Ergebnisse dieser Phase sind:

  • Projektauftrag
  • Zielbild
  • Abgrenzung des Projektumfangs
  • Projektorganisation
  • erste Risiko- und Ressourcenbewertung
  • Kommunikations- und Entscheidungsstruktur

Phase 2: Ist-Analyse und Prozessaufnahme

In der Ist-Analyse werden bestehende Prozesse, Systeme, Datenflüsse und Schwachstellen dokumentiert. Dabei geht es nicht darum, jede historische Besonderheit unverändert in das neue System zu übertragen. Die Analyse soll zeigen, welche Abläufe funktionieren, wo Medienbrüche entstehen und welche Prozesse grundsätzlich überarbeitet werden sollten.

Phase 3: Sollkonzept und Anforderungen

Auf Grundlage der Ist-Analyse wird festgelegt, wie die Prozesse künftig funktionieren sollen. Daraus entstehen funktionale und nicht funktionale Anforderungen.

Funktionale Anforderungen beschreiben beispielsweise:

  • Auftragsabwicklung
  • Beschaffung und Disposition
  • Lagerverwaltung
  • Produktionsplanung und Fertigungssteuerung
  • Finanzwesen und Controlling
  • Serviceprozesse
  • Auswertungen und Berichte

Nicht funktionale Anforderungen betreffen unter anderem Benutzerfreundlichkeit, Berechtigungen, Datenschutz, Sicherheit, Skalierbarkeit, Verfügbarkeit und Betriebsmodell.

Phase 4: ERP-Auswahl

In dieser Phase werden geeignete ERP-Lösungen und Anbieter anhand der zuvor definierten Anforderungen bewertet. Wichtig ist, nicht nur einzelne Funktionslisten zu vergleichen. Entscheidend ist, wie gut das System die zusammenhängenden Kernprozesse des Unternehmens abbildet.

Praxisnahe Workshops sollten deshalb typische Geschäftsvorfälle zeigen, beispielsweise vom Kundenauftrag über Materialplanung und Fertigung bis zur Lieferung und Abrechnung.

Phase 5: Projektfeinplanung und Konzeption

Nach der Auswahl werden Projektplan, Verantwortlichkeiten, Arbeitspakete, Meilensteine und Abnahmekriterien konkretisiert. Unternehmen und Implementierungspartner stimmen ab, wie die Anforderungen umgesetzt werden.

Phase 6: Konfiguration und erforderliche Anpassungen

Das ERP-System wird entsprechend dem Sollkonzept eingerichtet. Dazu gehören Organisationsstrukturen, Benutzerrollen, Berechtigungen, Geschäftsregeln, Workflows, Formulare und Auswertungen.

Grundsätzlich sollte zunächst geprüft werden, ob ein Prozess sinnvoll mit dem ERP-Standard abgebildet werden kann. Individuelle Anpassungen können bei geschäftskritischen Besonderheiten erforderlich sein. Sie sollten jedoch nachvollziehbar begründet, dokumentiert und hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf Wartung und Weiterentwicklung bewertet werden.

Phase 7: Datenmigration und Integration

Daten werden aus bestehenden Systemen aufbereitet, zugeordnet, bereinigt und in das neue ERP-System übertragen. Gleichzeitig werden notwendige Schnittstellen umgesetzt und geprüft.

Phase 8: Tests und Abnahme

In Testsystemen wird geprüft, ob Funktionen, Daten, Berechtigungen, Schnittstellen und vollständige Prozessketten korrekt arbeiten. Festgestellte Abweichungen werden dokumentiert, priorisiert und erneut getestet.

Phase 9: Schulung und Go-live-Vorbereitung

Die Anwenderinnen und Anwender werden auf ihre zukünftigen Aufgaben vorbereitet. Parallel entstehen Cutover-Plan, Supportstruktur, Kommunikationsplan und Notfallregelungen für die Produktivsetzung.

Phase 10: Go-live und Stabilisierung

Das System wird produktiv gesetzt. In der anschließenden Stabilisierungsphase werden Fragen, Fehler und Prozesslücken systematisch bearbeitet. Ein ERP-Projekt ist daher nicht automatisch am ersten produktiven Arbeitstag abgeschlossen.

Phase 11: Optimierung und Weiterentwicklung

Nach dem stabilen Übergang in den Regelbetrieb werden Erfahrungen ausgewertet. Weitere Funktionen, Standorte, Automatisierungen oder Prozessverbesserungen können in geplanten Ausbaustufen ergänzt werden.

6. Welche Dokumente werden in einem ERP-Projekt benötigt?

Dokumente schaffen Verbindlichkeit und verhindern, dass Anforderungen, Entscheidungen oder Verantwortlichkeiten unterschiedlich interpretiert werden.

  • Projektauftrag: beschreibt Anlass, Ziele, Umfang und Verantwortlichkeiten.
  • Prozessdokumentation: hält Ist- und Sollprozesse nachvollziehbar fest.
  • Lastenheft: beschreibt aus Sicht des Unternehmens, welche Anforderungen die neue Lösung erfüllen soll.
  • Pflichtenheft oder Umsetzungskonzept: beschreibt, wie die festgelegten Anforderungen umgesetzt werden.
  • Projektplan: enthält Phasen, Arbeitspakete, Meilensteine, Abhängigkeiten und Zuständigkeiten.
  • Datenmigrationskonzept: definiert Datenquellen, Zuordnungen, Bereinigungen und Prüfungen.
  • Schnittstellenkonzept: beschreibt beteiligte Systeme, Datenflüsse, Verantwortlichkeiten und Fehlerbehandlung.
  • Testkonzept: legt Testarten, Testfälle, Testdaten und Abnahmekriterien fest.
  • Schulungskonzept: ordnet Rollen, Lerninhalte, Unterlagen und Schulungstermine zu.
  • Cutover-Plan: beschreibt den kontrollierten Übergang vom bisherigen zum neuen System.
  • Entscheidungsprotokoll: dokumentiert wichtige Beschlüsse und deren Begründung.

⚠️ Dokumentation darf nicht zum Selbstzweck werden. Sie sollte so detailliert sein, dass Entscheidungen, Anforderungen und Prüfergebnisse eindeutig nachvollzogen werden können.

7. Welche Projektmethoden eignen sich für ERP-Projekte?

ERP-Projekte können klassisch, agil oder mit einem hybriden Ansatz organisiert werden. Keine Methode ist automatisch für jedes Unternehmen geeignet.

VorgehensweiseCharakteristikGeeignete Einsatzbereiche
Vorgehensweise Klassisches VorgehenCharakteristik Die Projektphasen werden weitgehend nacheinander geplant und abgeschlossen.Geeignete Einsatzbereiche Geeignet bei stabilen Anforderungen, klaren Abnahmepunkten und stark voneinander abhängigen Arbeitspaketen.
Vorgehensweise Agiles VorgehenCharakteristik Funktionen und Prozesse werden in kurzen Arbeitsabschnitten entwickelt, geprüft und verbessert.Geeignete Einsatzbereiche Geeignet für Bereiche, in denen Anforderungen schrittweise konkretisiert werden können.
Vorgehensweise Hybrides VorgehenCharakteristik Übergeordnete Meilensteine und Rahmenbedingungen werden klassisch geplant, einzelne Umsetzungspakete iterativ bearbeitet.Geeignete Einsatzbereiche Geeignet für viele ERP-Projekte, da feste Entscheidungs- und Abnahmepunkte mit regelmäßigen Feedbackschleifen verbunden werden.

Unabhängig von der Methode müssen Verantwortlichkeiten, Entscheidungswege, Qualitätskriterien und Projektumfang klar sein. Agile Arbeitsweisen ersetzen weder die Zieldefinition noch eine kontrollierte Datenmigration oder verbindliche Abnahmekriterien.

8. Welche Rolle spielen Datenmigration und Datenqualität?

Ein neues ERP-System kann nur mit verlässlichen Daten stabile Ergebnisse liefern. Die Datenmigration ist deshalb keine rein technische Übertragung. Das Unternehmen muss fachlich entscheiden, welche Daten benötigt werden, wie sie zugeordnet werden und wer ihre Qualität bestätigt.

Typische zu prüfende Datenbereiche sind:

  • Kunden- und Lieferantenstammdaten
  • Artikel- und Materialstammdaten
  • Stücklisten und Arbeitspläne
  • Preise, Konditionen und Mengeneinheiten
  • Lagerorte und Bestände
  • Konten und Kostenstellen
  • offene Aufträge und Bestellungen
  • Benutzer, Rollen und Berechtigungen

Eine kontrollierte Datenmigration umfasst üblicherweise:

  1. Datenquellen identifizieren
  2. Datenumfang festlegen
  3. Feldzuordnungen definieren
  4. Dubletten und fehlerhafte Daten bereinigen
  5. Testmigration durchführen
  6. Ergebnisse fachlich prüfen
  7. Korrekturen einarbeiten
  8. finale Migration für den Go-live vorbereiten

❌ Ungeprüfte Übernahme aller historischen Daten
❌ Datenbereinigung erst unmittelbar vor dem Go-live
❌ fehlende fachliche Verantwortung für Stammdaten
❌ ausschließliche Prüfung der Datensätze durch die IT

9. Wie werden Schnittstellen und Integrationen geplant?

Ein ERP-System ist häufig Teil einer größeren Anwendungslandschaft. Je nach Unternehmen können beispielsweise CRM, Dokumentenmanagement, E-Commerce, Business Intelligence, CAD, PLM, MES, Logistiklösungen oder externe Plattformen angebunden sein.

Für jede relevante ERP-Integration sollte geklärt werden:

  • Welches System ist für bestimmte Daten führend?
  • Welche Daten werden übertragen?
  • In welche Richtung erfolgt die Übertragung?
  • Wann oder wodurch wird sie ausgelöst?
  • Wie werden Fehler erkannt und bearbeitet?
  • Wer ist fachlich und technisch verantwortlich?
  • Welche Sicherheits- und Berechtigungsanforderungen gelten?
  • Wie wird die Schnittstelle getestet und überwacht?

Schnittstellen sollten bereits in der Anforderungs- und Planungsphase berücksichtigt werden. Werden sie zu spät betrachtet, können wichtige Prozessabhängigkeiten erst während Tests oder Produktivstart sichtbar werden.

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10. Wie funktionieren Tests und Qualitätssicherung?

Tests sollen nicht nur zeigen, dass einzelne Eingabemasken funktionieren. Entscheidend ist, ob vollständige Geschäftsprozesse mit realistischen Daten, Rollen und Ausnahmefällen ausführbar sind.

Wichtige Testarten sind:

  • Funktionstest: Prüfung einzelner Funktionen und Einstellungen
  • Integrationstest: Prüfung des Zusammenspiels mehrerer Systeme oder Module
  • Prozesstest: Prüfung vollständiger Geschäftsabläufe
  • Migrationstest: Prüfung übernommener Daten auf Vollständigkeit und fachliche Richtigkeit
  • Berechtigungstest: Prüfung von Rollen und Zugriffsmöglichkeiten
  • Anwenderakzeptanztest: fachliche Prüfung durch Key User
  • Regressionstest: Kontrolle, ob Änderungen bereits funktionierende Bereiche beeinflussen

Testfälle sollten Ausgangslage, Arbeitsschritte, erwartetes Ergebnis und tatsächliches Ergebnis dokumentieren. Kritische Fehler müssen vor der Produktivsetzung nachvollziehbar behoben und erneut geprüft werden.

11. Warum sind Schulung und Change Management wichtig?

Mit einem neuen ERP-System verändern sich häufig Abläufe, Zuständigkeiten, Eingaberegeln und Informationswege. Selbst technisch korrekte Prozesse werden nicht zuverlässig genutzt, wenn Mitarbeitende ihre neue Rolle nicht verstehen oder nicht ausreichend vorbereitet wurden.

Ein wirksames Change Management beantwortet daher frühzeitig:

  • Warum wird das ERP-Projekt durchgeführt?
  • Welche Probleme sollen gelöst werden?
  • Welche Abläufe verändern sich?
  • Welche Vorteile entstehen für die einzelnen Fachbereiche?
  • Wer entscheidet über offene Fragen?
  • Wo erhalten Mitarbeitende Unterstützung?

Schulungen sollten rollen- und prozessbezogen aufgebaut sein. Beschäftigte im Einkauf benötigen andere Lerninhalte als Mitarbeitende in Fertigung, Lager, Vertrieb oder Finanzwesen. Praxisnahe Übungen mit realistischen Geschäftsvorfällen sind meist hilfreicher als eine rein allgemeine Funktionsübersicht.

12. Was passiert beim Go-live?

Der Go-live bezeichnet den Übergang in den produktiven Betrieb. Je nach Projekt erfolgt die Umstellung gleichzeitig für alle betroffenen Bereiche oder schrittweise nach Standorten, Gesellschaften, Prozessen oder Modulen.

Vor dem Produktivstart sollten mindestens folgende Punkte geklärt sein:

  • ✅ kritische Prozesse wurden erfolgreich getestet
  • ✅ notwendige Daten wurden geprüft
  • ✅ Benutzer und Berechtigungen sind eingerichtet
  • ✅ Schnittstellen sind funktionsfähig
  • ✅ Anwenderinnen und Anwender wurden geschult
  • ✅ offene Fehler wurden bewertet und priorisiert
  • ✅ Support- und Eskalationswege sind bekannt
  • ✅ Verantwortlichkeiten für den Produktivstart sind festgelegt
  • ✅ Sicherungs- und Notfallmaßnahmen sind vorbereitet

Nach dem Go-live folgt die Stabilisierung. In dieser Phase werden Supportanfragen gebündelt, Fehler priorisiert und Prozessabweichungen ausgewertet. Erst wenn die wesentlichen Abläufe stabil funktionieren, kann das Projekt kontrolliert in den Regelbetrieb übergeben werden.

13. Welche Risiken gibt es bei ERP-Projekten?

RisikoMögliche Gegenmaßnahme
Risiko Unklare ZieleMögliche Gegenmaßnahme Projektziele konkret formulieren, priorisieren und mit Abnahmekriterien verbinden.
Risiko Unkontrollierte Erweiterung des UmfangsMögliche Gegenmaßnahme Änderungsanforderungen dokumentieren, bewerten und bewusst freigeben oder verschieben.
Risiko Fehlende RessourcenMögliche Gegenmaßnahme Projektzeiten verbindlich einplanen und Stellvertretungen für das Tagesgeschäft organisieren.
Risiko Zu geringe Beteiligung der FachbereicheMögliche Gegenmaßnahme Key User bereits bei Prozessanalyse und Anforderungsdefinition einbinden.
Risiko Schlechte DatenqualitätMögliche Gegenmaßnahme Datenbereinigung früh beginnen und fachliche Verantwortliche benennen.
Risiko Zu viele individuelle AnpassungenMögliche Gegenmaßnahme Standardprozesse prüfen und Sonderlösungen nur bei nachvollziehbarem Geschäftsnutzen umsetzen.
Risiko Unzureichende TestsMögliche Gegenmaßnahme Reale Prozessketten, Ausnahmen, Berechtigungen und Schnittstellen systematisch testen.
Risiko Fehlende AkzeptanzMögliche Gegenmaßnahme Veränderungen transparent erklären und Mitarbeitende frühzeitig beteiligen.
Risiko Unklare EntscheidungenMögliche Gegenmaßnahme Entscheidungsbefugnisse und Eskalationswege im Projektauftrag festlegen.
Risiko Go-live trotz kritischer FehlerMögliche Gegenmaßnahme Verbindliche Freigabekriterien und eine belastbare Go-live-Entscheidung definieren.

14. Wie lässt sich der Erfolg eines ERP-Projekts messen?

Ein ERP-Projekt ist nicht allein deshalb erfolgreich, weil das neue System technisch gestartet wurde. Entscheidend ist, ob die definierten Geschäfts- und Prozessziele erreicht werden.

Mögliche Erfolgskriterien sind:

  • Einhaltung des vereinbarten Projektumfangs
  • Erfüllung der definierten Abnahmekriterien
  • Stabilität der geschäftskritischen Abläufe
  • Qualität und Vollständigkeit der migrierten Daten
  • Nutzung des Systems durch die vorgesehenen Rollen
  • Reduzierung manueller Arbeitsschritte
  • Verringerung von Medienbrüchen
  • höhere Verfügbarkeit aktueller Unternehmensinformationen
  • verbesserte Nachvollziehbarkeit von Prozessen und Verantwortlichkeiten
  • Umsetzung der priorisierten fachlichen Ziele

Die Erfolgskontrolle sollte nach der Stabilisierung fortgeführt werden. Manche Verbesserungen lassen sich erst beurteilen, wenn ausreichende Daten aus dem produktiven Betrieb vorliegen.

15. ERP-Projekte im Mittelstand und in der Fertigung

Mittelständische Unternehmen benötigen bei ERP-Projekten professionelle Strukturen, verfügen aber häufig über begrenzte personelle Kapazitäten. Schlüsselpersonen übernehmen gleichzeitig Verantwortung im Tagesgeschäft und im Projekt. Eine realistische Ressourcenplanung ist deshalb besonders wichtig.

In Produktions- und Fertigungsunternehmen kommen zusätzliche Abhängigkeiten hinzu. Vertrieb, Einkauf, Disposition, Lager, Konstruktion, Fertigung, Service und Controlling greifen eng ineinander. Änderungen an Stücklisten, Terminierungen, Materialbedarfen oder Aufträgen können mehrere Abteilungen betreffen.

Besondere Aufmerksamkeit verdienen daher:

  • durchgängige Prozesse vom Angebot bis zur Auslieferung
  • Materialbedarfsplanung und Disposition
  • Stücklisten, Arbeitspläne und Fertigungsaufträge
  • Planung von Kapazitäten und Terminen
  • Rückmeldungen aus Produktion und Lager
  • Chargen, Seriennummern oder andere Nachweisanforderungen
  • Kalkulation und Nachkalkulation
  • Integration angrenzender Produktions- und Konstruktionssysteme

Für ein beherrschbares ERP-Projekt sollte klar entschieden werden, welche Prozesse für den ersten Go-live zwingend erforderlich sind und welche Funktionen in späteren Ausbaustufen folgen können.

16. Abas ERP als Praxisbeispiel

Abas ERP richtet sich an mittelständische Fertigungsunternehmen und unterstützt zentrale Geschäftsbereiche wie Einkauf, Vertrieb, Fertigung, Lager, Service, Finanzwesen und Controlling. Die ERP-Lösung ist als Cloud- oder On-Premise-Modell verfügbar. Damit kann Abas für Unternehmen relevant sein, die ihre Fertigungs- und Unternehmensprozesse in einer integrierten ERP-Umgebung abbilden möchten.

Für ein ERP-Projekt mit Abas sind eine strukturierte Projektorganisation, transparente Verantwortlichkeiten und der frühzeitige Aufbau von Anwenderkompetenz wichtig. Unternehmen sollten vor der Implementierung ihre Ziele, Prozesse, Daten und Integrationsanforderungen definieren. Anschließend kann bewertet werden, welche Anforderungen mit dem ERP-Standard abgebildet werden und an welchen Stellen eine spezifische Konfiguration erforderlich ist.

Abas ERP ist insbesondere für ERP-Projekte im Mittelstand und in der Fertigung relevant, da in diesen Unternehmen kaufmännische und produktionsbezogene Abläufe eng miteinander verbunden sind. Einkauf, Materialwirtschaft, Fertigung, Lager, Vertrieb und Finanzwesen müssen auf einer konsistenten Datenbasis zusammenarbeiten.

Weiterführende Informationen zur Vorbereitung, Auswahl und Einführung bietet der Artikel ERP-Einführung: Eine strukturierte Vorbereitung der ERP-Auswahl ist entscheidend.

17. Checkliste für ein erfolgreiches ERP-Projekt

  • ✅ Ist der Anlass für das ERP-Projekt eindeutig beschrieben?
  • ✅ Sind die fachlichen und strategischen Ziele definiert?
  • ✅ Ist der Projektumfang klar abgegrenzt?
  • ✅ Sind Geschäftsführung, Projektleitung und Key User benannt?
  • ✅ Haben die Projektbeteiligten ausreichend Zeit?
  • ✅ Sind die wichtigsten Istprozesse dokumentiert?
  • ✅ Wurden geeignete Sollprozesse entwickelt?
  • ✅ Sind Anforderungen priorisiert?
  • ✅ Wurde zwischen Standardanforderungen und begründeten Besonderheiten unterschieden?
  • ✅ Sind Datenquellen und Datenverantwortliche bekannt?
  • ✅ Wurde die Datenbereinigung frühzeitig begonnen?
  • ✅ Sind notwendige Schnittstellen vollständig erfasst?
  • ✅ Gibt es einen realistischen Projektplan mit Meilensteinen?
  • ✅ Sind Entscheidungs- und Eskalationswege festgelegt?
  • ✅ Existieren dokumentierte Testfälle und Abnahmekriterien?
  • ✅ Sind Schulungen rollenbezogen vorbereitet?
  • ✅ Gibt es einen detaillierten Plan für den Go-live?
  • ✅ Sind Support und Stabilisierung nach dem Produktivstart organisiert?
  • ✅ Wurden spätere Ausbaustufen dokumentiert?
  • ✅ Ist festgelegt, wie der Projekterfolg gemessen wird?

Abas ERP Produktbroschüre

Sie möchten wissen, wie die ERP Software von Abas aussieht und welche Funktionen darin enthalten sind?

In der Produktbroschüre werden sämtliche Funktionen detailliert dargestellt und erläutert. Von der Materialwirtschaft über die Feinplanung bis hin zum Projektmanagement, kein Thema kommt hier zu kurz.

Abas produktbroschuere

Was ist ein ERP-Projekt?

Ein ERP-Projekt ist ein strukturiertes Vorhaben zur Auswahl, Einführung, Ablösung, Erweiterung oder Modernisierung eines ERP-Systems. Es umfasst neben der Software auch Prozesse, Daten, Verantwortlichkeiten, Schnittstellen, Schulungen, Tests und organisatorische Veränderungen.

Was ist der Unterschied zwischen einem ERP-Projekt und einer ERP-Implementierung?

Das ERP-Projekt umfasst das gesamte Vorhaben von Zieldefinition und Anforderungsanalyse über Systemauswahl und Implementierung bis zur Stabilisierung und Erfolgskontrolle. Die ERP-Implementierung bezeichnet enger die konkrete Einrichtung, Konfiguration, Datenmigration, Integration, Prüfung und Produktivsetzung der ausgewählten Lösung.

Ist ein ERP-Projekt ein IT-Projekt?

Ein ERP-Projekt besitzt einen wichtigen technischen Anteil, ist aber kein reines IT-Projekt. Da Geschäftsprozesse, Daten, Rollen und Verantwortlichkeiten im gesamten Unternehmen betroffen sind, handelt es sich gleichzeitig um ein Organisations- und Veränderungsprojekt.

Was ist der Unterschied zwischen Lastenheft und Pflichtenheft?

Das Lastenheft beschreibt aus Sicht des Unternehmens, welche Anforderungen eine ERP-Lösung erfüllen soll. Das Pflichtenheft oder Umsetzungskonzept beschreibt, wie der Anbieter beziehungsweise das Projektteam diese Anforderungen im ausgewählten System umsetzt.

Welche Personen sollten an einem ERP-Projekt beteiligt sein?

Zu den wesentlichen Beteiligten gehören Geschäftsführung oder Lenkungskreis, Projektleitung, Key User aus den Fachbereichen, Prozessverantwortliche, IT, Datenverantwortliche, Testverantwortliche und der ERP- beziehungsweise Implementierungspartner.

Ist ein ERP-Projekt auch für kleine Unternehmen sinnvoll?

Ein ERP-Projekt kann auch für kleinere Unternehmen sinnvoll sein, wenn mehrere Unternehmensbereiche koordiniert werden müssen, Medienbrüche entstehen oder das bisherige System die erforderlichen Prozesse nicht mehr angemessen unterstützt. Der Projektumfang und die gewählte Lösung müssen zur Unternehmensgröße, Prozesskomplexität und verfügbaren Organisation passen.

Wie wählt man die richtige ERP-Lösung für ein ERP-Projekt?

Die Auswahl sollte auf dokumentierten und priorisierten Anforderungen beruhen. Neben Funktionen sind Prozesspassung, Brancheneignung, Integrationsfähigkeit, Betriebsmodell, Benutzerfreundlichkeit, Weiterentwicklung, Support und die Zusammenarbeit mit dem Implementierungspartner zu bewerten. Praxisnahe Prozessworkshops liefern meist mehr Erkenntnisse als ein reiner Vergleich von Funktionslisten.

Was sind die häufigsten Risiken eines ERP-Projekts?

Zu den häufigsten Risiken gehören unklare Ziele, fehlende Ressourcen, unvollständige Anforderungen, geringe Beteiligung der Fachbereiche, schlechte Datenqualität, unterschätzte Schnittstellen, zu viele individuelle Anpassungen, unzureichende Tests und fehlendes Change Management.

Wann ist ein ERP-Projekt abgeschlossen?

Ein ERP-Projekt ist nicht automatisch mit dem Go-live abgeschlossen. Nach der Produktivsetzung folgt eine Stabilisierungsphase. Der Projektabschluss sollte erst erfolgen, wenn die vereinbarten Prozesse stabil funktionieren, kritische Fehler bearbeitet sind, Verantwortlichkeiten an den Regelbetrieb übergeben wurden und die festgelegten Abnahmekriterien erfüllt sind.

Was kommt nach dem ERP-Projekt?

Nach dem Projektabschluss beginnt der geregelte Betrieb. Dazu gehören Support, Datenpflege, Benutzerverwaltung, Prozessüberwachung, Updates und kontinuierliche Optimierung. Weitere Module, Standorte oder Funktionen können in getrennten Ausbaustufen eingeführt werden.