Die verlängerte Werkbank im ERP: So steuern Sie Fremdfertigung effizient und transparent
Wenn Bauteile zum Härten, Beschichten, Lackieren, Galvanisieren, Zerspanen oder Montieren außer Haus gegeben werden, wird der externe Dienstleister faktisch Teil Ihrer Produktion. Doch häufig endet die digitale Transparenz am Werkstor: Es ist unklar, welche Materialien sich bei welchem Fremdfertiger befinden, wann ein Arbeitsgang abgeschlossen sein wird und ob die Teile rechtzeitig für den nächsten Produktionsschritt zurückkommen.
Was zunächst wie ein logistisches Detail wirkt, entwickelt sich schnell zu einem unternehmensweiten Steuerungsproblem. Fehlende Rückmeldungen gefährden Liefertermine, unklare Beistellbestände binden Kapital und ungeplante Nacharbeit reduziert die Marge. Entscheidend ist deshalb, Fremdfertigung nicht als isolierten Einkaufsvorgang zu behandeln, sondern als vollständig integrierten Teil der Produktionsplanung, Materialwirtschaft und Kalkulation.

Problem konkret machen: Wenn die Produktion am Werkstor unsichtbar wird
Warum ausgelagerte Produktionsschritte so schnell zum Kontrollverlust führen
Fremdfertigung ist in vielen produzierenden Unternehmen unverzichtbar. Spezialisierte Verfahren wie Wärmebehandlung, Oberflächenveredelung, Lackierung oder bestimmte Montage- und Bearbeitungsschritte lassen sich intern häufig nicht wirtschaftlich abbilden. Andere Unternehmen lagern Arbeitsgänge aus, um Kapazitätsspitzen aufzufangen oder kurzfristig auf einen Maschinenausfall zu reagieren.
Das Problem ist nicht die Fremdfertigung selbst. Das Problem entsteht, wenn interne und externe Arbeitsschritte in unterschiedlichen Prozessen, Systemen oder Tabellen geführt werden.
Solange das Material im eigenen Werk liegt, kann die Fertigungsleitung meistens nachvollziehen, an welcher Maschine ein Auftrag bearbeitet wird, welcher Arbeitsgang folgt und welche Menge bereits produziert wurde. Sobald die Teile jedoch das Unternehmen verlassen, beginnt häufig der Blindflug. Der Einkauf kennt die Bestellung, die Produktion kennt den Fertigungsauftrag, das Lager kennt den Warenausgang und der Fremdfertiger kommuniziert per E-Mail, Telefon oder Lieferschein. Eine gemeinsame, aktuelle Sicht auf den Gesamtprozess fehlt.
Dadurch bleiben entscheidende Fragen unbeantwortet:
- Welche Rohteile oder Halbfabrikate befinden sich aktuell bei welchem Dienstleister?
- Sind alle benötigten Materialien vollständig übergeben worden?
- Welche Menge wurde bereits bearbeitet?
- Welche Teile sind noch in Arbeit, gesperrt, Ausschuss oder unterwegs?
- Welcher interne Fertigungsauftrag gehört zur externen Bestellung?
- Wann kommen die bearbeiteten Teile zurück?
- Welche nachfolgenden Arbeitsgänge hängen von der Rücklieferung ab?
- Welche Kundenaufträge sind betroffen, wenn sich der externe Vorgang verspätet?
- Entsprechen die berechneten Fremdleistungskosten noch der ursprünglichen Kalkulation?
Fehlen darauf verlässliche Antworten, wird aus einer verlängerten Werkbank eine unterbrochene Wertschöpfungskette.
Typisches Alltagsszenario
Ein Fertigungsauftrag durchläuft zunächst mehrere interne Arbeitsschritte. Anschließend müssen die Teile zu einem externen Oberflächenveredler. Im ERP ist zwar eine Bestellung vorhanden, der Bearbeitungsstatus liegt jedoch nur in einer E-Mail. Ein Teil der Ware befindet sich bereits beim Dienstleister, eine weitere Menge steht noch im eigenen Warenausgang. Ausschussteile wurden telefonisch gemeldet, aber noch nicht im System erfasst.
Die Arbeitsvorbereitung geht weiterhin vom ursprünglichen Rückliefertermin aus. Nachgelagerte Maschinenkapazitäten bleiben reserviert, obwohl das Material nicht rechtzeitig eintreffen wird. Erst kurz vor dem geplanten Produktionsstart fällt auf, dass die Teile fehlen. Nun müssen Disposition, Einkauf, Produktion, Lager und Vertrieb gemeinsam improvisieren.
Aus einem fehlenden Status entstehen kurzfristige Umplanungen, Maschinenleerstand, Expressfahrten und schwierige Kundengespräche.
Ursachen: Warum Fremdfertigung in der Praxis intransparent wird
Die häufigsten Ursachen für Probleme mit der verlängerten Werkbank
Der Kontrollverlust entsteht selten durch einen einzelnen Fehler. Meist greifen mehrere organisatorische und technische Schwachstellen ineinander.
Fremdfertigung wird nur als Bestellung behandelt
Ein externer Arbeitsgang verursacht zwar einen Einkaufsvorgang, ist aber gleichzeitig Teil des Produktionsablaufs. Wird lediglich eine Bestellung an den Dienstleister erzeugt, fehlt häufig die direkte Verbindung zum Fertigungsauftrag, zum ursprünglichen Materialbedarf und zu den nachfolgenden Arbeitsschritten.
Der Einkauf sieht dann, dass eine Leistung bestellt wurde. Die Produktion erkennt aber nicht automatisch, welche Mengen bereits versendet wurden, wann die Rücklieferung erwartet wird oder wie sich eine Terminänderung auf den gesamten Auftrag auswirkt.
Interne und externe Arbeitsgänge laufen in getrennten Planungen
In vielen Betrieben werden Maschinen und interne Arbeitsplätze detailliert geplant. Externe Arbeitsgänge erscheinen dagegen nur als pauschale Lieferzeit oder als manuelle Notiz im Arbeitsplan.
Damit fehlt ein durchgängiger Terminplan. Die externe Bearbeitungszeit, Transportzeit, Wareneingangsprüfung und mögliche Übergangszeit werden nicht zuverlässig mit den internen Arbeitsschritten verknüpft. Kommt ein Teil später zurück, bleibt die Auswirkung auf nachfolgende Arbeitsgänge und Kundenaufträge zunächst unsichtbar.
Beigestelltes Material wird nicht als Bestand beim Fremdfertiger geführt
Material, das physisch nicht mehr im eigenen Lager liegt, ist nicht automatisch verbraucht. Es gehört weiterhin dem Unternehmen und muss mengen- und wertmäßig nachvollziehbar bleiben.
Ohne ein Fremd- oder Lieferantenlager verschwindet dieser Bestand jedoch häufig aus der operativen Sicht. Die Teile wurden ausgebucht, aber noch nicht verarbeitet. Damit ist unklar, welche Mengen beim Partner liegen, welche bereits verbraucht wurden und welche nach Abschluss des Auftrags zurückgegeben werden müssen.
Besonders kritisch wird dies bei hochwertigen Werkstoffen, kundenspezifischen Komponenten, Chargenmaterial oder großen Beistellmengen.
Rückmeldungen erfolgen verspätet oder unstrukturiert
Externe Dienstleister melden Bearbeitungsstände häufig per Telefon, E-Mail, PDF, Lieferschein oder individueller Excel-Datei. Diese Informationen müssen anschließend manuell übertragen werden.
Dadurch entsteht eine zeitliche Lücke zwischen Realität und Systemstand. Der Arbeitsgang kann beim Dienstleister bereits abgeschlossen sein, während er intern noch als offen geführt wird. Umgekehrt kann ein Termin im ERP weiterhin als gesichert erscheinen, obwohl der Fremdfertiger bereits eine Verzögerung angekündigt hat.
Ausschuss, Nacharbeit und Teillieferungen werden nicht sauber abgebildet
Nicht jede Lieferung kommt vollständig und fehlerfrei zurück. In der Praxis entstehen:
- Teillieferungen
- Mehr- oder Mindermengen
- Ausschuss
- gesperrte Mengen
- Nacharbeit
- ungeplante Zusatzleistungen
- Restmaterial beim Fremdfertiger
Werden diese Abweichungen nur im Lieferschein oder in einer E-Mail dokumentiert, stimmen Produktionsmenge, Bestand, Kalkulation und offene Restmenge nicht mehr überein. Das System plant dann möglicherweise mit Teilen, die tatsächlich nicht zur Verfügung stehen.
Änderungen erreichen den externen Partner nicht rechtzeitig
Ändern sich Zeichnungen, Spezifikationen, Mengen, Termine oder Qualitätsvorgaben, müssen diese Informationen zuverlässig beim Fremdfertiger ankommen. Besteht keine durchgängige Verbindung zwischen Fertigungsauftrag, Dokumenten und Bestellung, drohen Versionskonflikte.
Im schlimmsten Fall bearbeitet der Dienstleister Material nach einer veralteten Zeichnung oder falschen Prozessvorgabe. Die Folgen reichen von Nacharbeit und Ausschuss bis zum vollständigen Verlust der beigestellten Teile.
Ist-Kosten fließen nicht vollständig in die Nachkalkulation ein
Fremdfertigungskosten bestehen nicht nur aus dem Rechnungsbetrag des Dienstleisters. Hinzu kommen möglicherweise:
- Hin- und Rücktransport
- Verpackung und Ladungsträger
- interne Bereitstellung
- Qualitätsprüfung
- Nacharbeit
- Ausschuss
- zusätzliche Beschaffungs- und Abstimmungszeiten
- Expresszuschläge
- Terminverschiebungen in der eigenen Fertigung
Werden diese Kosten nicht auftrags- und vorgangsbezogen erfasst, bleibt die tatsächliche Profitabilität des Auftrags unsichtbar.
Auswirkungen: Wenn fehlende Transparenz Gewinn und Lieferfähigkeit gefährdet
Was unkontrollierte Fremdfertigung wirtschaftlich bedeutet
Probleme mit der verlängerten Werkbank bleiben nicht auf Einkauf oder Produktion beschränkt. Sie wirken sich auf nahezu alle Unternehmensbereiche aus.
| Bereich | Operative Folge | Wirtschaftliche Auswirkung |
|---|---|---|
| Bereich Produktion | Operative Folge Material fehlt beim geplanten Start des Folgearbeitsgangs | Wirtschaftliche Auswirkung Maschinenstillstand, verlängerte Durchlaufzeit |
| Bereich Disposition | Operative Folge Externe Termine werden zu spät aktualisiert | Wirtschaftliche Auswirkung Häufige Umplanung und instabile Fertigungspläne |
| Bereich Einkauf | Operative Folge Bearbeitungsstände müssen manuell erfragt werden | Wirtschaftliche Auswirkung Hoher Koordinationsaufwand und steigende Prozesskosten |
| Bereich Lager | Operative Folge Beistellmaterial ist nicht eindeutig lokalisierbar | Wirtschaftliche Auswirkung Bestandsdifferenzen und unnötige Nachbeschaffung |
| Bereich Qualität | Operative Folge Chargen, Ausschuss oder Nacharbeit sind nicht lückenlos zugeordnet | Wirtschaftliche Auswirkung Höheres Reklamations- und Haftungsrisiko |
| Bereich Vertrieb | Operative Folge Liefertermine lassen sich nicht zuverlässig bestätigen | Wirtschaftliche Auswirkung Vertrauensverlust und mögliche Umsatzverschiebung |
| Bereich Controlling | Operative Folge Zusatzkosten fehlen in der Kalkulation | Wirtschaftliche Auswirkung Unbemerkter Margenverlust |
| Bereich Management | Operative Folge Lieferantenleistung ist nicht objektiv bewertbar | Wirtschaftliche Auswirkung Schwache Grundlage für Vergabeentscheidungen |
Liefertermine werden unzuverlässig
Die Rücklieferung eines fremdbearbeiteten Teils ist häufig Voraussetzung für mehrere nachfolgende Arbeitsgänge. Schon eine kurze Verzögerung kann deshalb den gesamten Fertigungsauftrag verschieben.
Besonders problematisch ist, dass die Verzögerung oft erst spät sichtbar wird. Ohne integrierte Terminplanung bleibt die interne Kapazität weiterhin reserviert. Andere Aufträge werden möglicherweise zurückgestellt, obwohl das vorgesehene Material für den priorisierten Auftrag noch gar nicht zur Verfügung steht.
Maschinen und Personal warten auf Material
Kann ein geplanter Arbeitsgang wegen fehlender Rücklieferung nicht starten, entstehen Leerlauf und zusätzliche Rüstvorgänge. Disponenten müssen kurzfristig Ersatzaufträge finden, Maschinenbelegungen verändern und Mitarbeiter neu einteilen.
Diese Kosten erscheinen selten als eigene Position. Sie reduzieren jedoch direkt die Produktivität und erhöhen die Herstellkosten.
Sicherheitsbestände und Doppelbeschaffungen binden Liquidität
Wenn niemand dem Systembestand beim Fremdfertiger vertraut, entstehen Sicherheitsmechanismen. Materialien werden vorsorglich erneut bestellt, größere Puffer aufgebaut oder zusätzliche Mengen zum Dienstleister geschickt.
Das senkt zwar kurzfristig das gefühlte Risiko, verschlechtert aber die Kapitalbindung. Besonders bei hochwertigen Rohmaterialien oder kundenspezifischen Komponenten kann damit erhebliche Liquidität außerhalb des eigenen Werks gebunden sein.
Expresskosten und Sonderfahrten reduzieren die Marge
Wird eine Verzögerung zu spät erkannt, bleiben häufig nur kostenintensive Gegenmaßnahmen. Dazu gehören Expressabholungen, Sonderfahrten, zusätzliche Schichten, kurzfristige Lieferantenwechsel oder eine erneute interne Bearbeitung.
Der Kundenauftrag wird möglicherweise noch termingerecht abgeschlossen, wirtschaftlich ist er jedoch deutlich schlechter als geplant.
Ausschuss und Nacharbeit verfälschen die Kalkulation
Werden Ausschussmengen oder zusätzliche Bearbeitungsschritte nicht direkt dem Fertigungsauftrag zugeordnet, bleibt die Abweichung zwischen Vor- und Nachkalkulation unvollständig. Angebote für Folgeaufträge basieren dann weiterhin auf unrealistischen Kostenannahmen.
Aus einem operativen Einzelfall wird so ein wiederkehrender Margenfehler.
Fehlende Rückverfolgbarkeit erhöht das Qualitätsrisiko
Bei chargen-, seriennummern- oder dokumentationspflichtigen Produkten muss nachvollziehbar sein, welches Material wann und durch welchen Dienstleister bearbeitet wurde. Fehlen durchgängige Material- und Prozessinformationen, wird die Ursachenanalyse bei Reklamationen deutlich schwieriger.
Lieferanten lassen sich nicht objektiv bewerten
Ohne strukturierte Soll- und Ist-Daten bleibt die Bewertung des Fremdfertigers subjektiv. Die Zusammenarbeit wird nach einzelnen Erfahrungen oder persönlichem Eindruck beurteilt.
Für eine belastbare Lieferantenbewertung werden dagegen unter anderem folgende Informationen benötigt:
- bestätigter und tatsächlicher Rückliefertermin
- vollständige und pünktliche Liefermenge
- Ausschuss- und Reklamationsquote
- Häufigkeit von Nacharbeit
- Preisabweichungen und Zusatzkosten
- Reaktionsgeschwindigkeit bei Änderungen
- Qualität der Rückmeldungen und Diskussionen.


Lösung: Fremdfertigung als Teil des Produktionsprozesses steuern
Wie eine transparente verlängerte Werkbank aufgebaut sein sollte
Eine effiziente Fremdfertigung beginnt nicht bei der Bestellung. Sie beginnt bereits in den Stammdaten und im Arbeitsplan.
Der externe Vorgang muss wie ein regulärer Produktionsschritt in die gesamte Prozesskette eingebunden werden. Gleichzeitig benötigt er einkaufs-, lager-, logistik-, qualitäts- und kalkulationsbezogene Informationen.
Der durchgängige Soll-Prozess
| Prozessschritt | Was transparent sein muss |
|---|---|
| Prozessschritt 1. Fertigungsplanung | Was transparent sein muss Welcher Arbeitsgang wird extern durchgeführt? |
| Prozessschritt 2. Bedarfsplanung | Was transparent sein muss Welche Menge und welches Beistellmaterial werden benötigt? |
| Prozessschritt 3. Lieferantenauswahl | Was transparent sein muss Welcher Fremdfertiger übernimmt den Vorgang zu welchem Preis und Termin? |
| Prozessschritt 4. Bestellung | Was transparent sein muss Welche Leistung wird für welchen Fertigungsauftrag bestellt? |
| Prozessschritt 5. Materialbereitstellung | Was transparent sein muss Welche Materialien, Mengen, Chargen oder Seriennummern werden übergeben? |
| Prozessschritt 6. Versand | Was transparent sein muss Wann und mit welchem Begleitbeleg verlässt das Material das Werk? |
| Prozessschritt 7. Bestand beim Partner | Was transparent sein muss Welche eigenen Bestände liegen aktuell beim Fremdfertiger? |
| Prozessschritt 8. Bearbeitungsstatus | Was transparent sein muss Welche Menge ist offen, in Arbeit, fertig, Ausschuss oder Nacharbeit? |
| Prozessschritt 9. Rücklieferung | Was transparent sein muss Welche Menge kommt wann zurück? |
| Prozessschritt 10. Qualitätsprüfung | Was transparent sein muss Welche Teile werden freigegeben, gesperrt oder reklamiert? |
| Prozessschritt 11. Produktionsfortschritt | Was transparent sein muss Welche Folgearbeitsgänge können beginnen? |
| Prozessschritt 12. Kalkulation | Was transparent sein muss Welche tatsächlichen Fremd-, Transport- und Folgekosten sind entstanden? |
| Prozessschritt 13. Bewertung | Was transparent sein muss Wie zuverlässig, termintreu und qualitativ arbeitet der Dienstleister? |
Externe Arbeitsgänge im Arbeitsplan verankern
Ein Fremdarbeitsgang sollte bereits in der Fertigungsstruktur als solcher definiert sein. Dadurch wird sichtbar, dass beispielsweise nach dem Drehen eine externe Wärmebehandlung und erst danach das interne Schleifen folgt.
Die externe Bearbeitungszeit wird damit Bestandteil der Vorwärts- oder Rückwärtsterminierung. Ändert sich der Rückliefertermin, muss das System die Auswirkungen auf den Gesamtauftrag und die nachfolgenden Vorgänge neu bewerten können.
Beistellmaterial eindeutig zuordnen
Beigestellte Materialien benötigen einen klaren Bezug zum Fremdarbeitsgang, zum Dienstleister und zum Fertigungsauftrag. Dabei muss unterschieden werden zwischen:
- Material, das vollständig beigestellt wird
- Material, das teilweise vom Fremdfertiger ergänzt wird
- Verpackungseinheiten oder Mehrmengen, die beim Partner verbleiben
- Restmaterial, das zurückgeliefert werden muss
- auftragsbezogenem und frei verfügbarem Material
Nur so lässt sich verhindern, dass Material beim Partner als verbraucht gilt, obwohl es weiterhin zum eigenen Bestand gehört.
Fremdlager für Bestände beim Dienstleister nutzen
Ein Fremdlager bildet den physischen Aufenthaltsort des eigenen Materials außerhalb des Werks ab. Das Material wird damit nicht aus der Transparenz entfernt, sondern lediglich an einen anderen Lagerort umgebucht.
Teilmengen und Abweichungen direkt zurückmelden
Fremdfertigung verläuft nicht immer exakt nach Plan. Ein belastbarer Prozess muss deshalb Teillieferungen, Ausschuss, Sperrmengen, Nacharbeit und Restmengen abbilden können.
Eine Teilmenge kann dann bereits für den Folgearbeitsgang freigegeben werden, während die übrigen Teile noch beim Dienstleister liegen. Damit wird vermieden, dass ein kompletter Auftrag stillsteht, obwohl bereits ausreichend Material für einen Teilabruf vorhanden ist.
Informationen direkt am Vorgang bereitstellen
Zeichnungen, Spezifikationen, Prüfpläne, Verpackungsvorgaben und Qualitätsanforderungen sollten eindeutig mit dem Vorgang verknüpft sein. Entscheidend ist nicht nur, dass ein Dokument existiert, sondern dass der Partner die richtige Version erhält.
Änderungen müssen nachvollziehbar sein und an den betroffenen Prozess weitergegeben werden.
Soll- und Ist-Termine systematisch vergleichen
Der bestätigte Rückliefertermin sollte nicht nur in einer E-Mail stehen. Er muss im Planungssystem hinterlegt und bei Änderungen aktualisiert werden.
Dadurch lässt sich erkennen:
- welche Rücklieferungen kritisch werden
- welche Folgearbeitsgänge betroffen sind
- welche Kundenaufträge gefährdet sind
- wo umgeplant werden muss
- ob ein alternativer Dienstleister oder eine interne Fertigung sinnvoll ist
Fremdfertigung vollständig nachkalkulieren
Eine aussagekräftige Nachkalkulation berücksichtigt die tatsächlich angefallenen Kosten des externen Arbeitsgangs. Neben der Lieferantenrechnung gehören dazu je nach Prozess auch Transport, Verpackung, Qualitätsprüfung, Ausschuss und Nacharbeit.
Abas ERP stellt Vor-, mitlaufende und Nachkalkulation zur Verfügung und kann Kosten bis auf Vorgangsebene auswerten. Dadurch können Erkenntnisse aus abgeschlossenen Fertigungsaufträgen in zukünftige Aufträge und Stammdaten zurückfließen.
Abas-Ansatz: Fremdfertigung durchgängig in Planung und Materialfluss integrieren
Wie Abas ERP die verlängerte Werkbank unterstützt
Abas ERP bindet Lohnfertigung und die verlängerte Werkbank als festen Bestandteil in die Fertigungsplanung ein. Damit werden externe Bearbeitungsschritte nicht als isolierter Sonderprozess behandelt, sondern mit Materialbedarf, Terminplanung, Einkauf, Lager und Kalkulation verbunden.
Lohnfertigungsvorschläge aus der Planung erzeugen
Werden externe Veredelungen im Rahmen der verlängerten Werkbank eingeplant, kann die Abas ERP Disposition daraus Lohnfertigungsvorschläge erzeugen. Materialbedarfe bleiben dabei einem konkreten Beschaffer zugeordnet. Die daraus resultierenden Beschaffungsvorschläge können geprüft und als Fertigungsaufträge oder Bestellungen freigegeben werden.
Make-or-Buy flexibel entscheiden
Nicht jeder Arbeitsgang muss dauerhaft intern oder extern ausgeführt werden. Bei Kapazitätsspitzen, Maschinenausfällen oder veränderten Lieferzeiten kann es notwendig werden, die Beschaffungsart vorgangsbezogen zu verändern.
In Abas ERP können für denselben Artikel sowohl Fertigungs- als auch Beistellteilelisten hinterlegt werden. Dadurch kann auf vorbereitete Strukturen zurückgegriffen werden, wenn zwischen Eigenfertigung und Fremdbeschaffung gewechselt wird.
Material- und Terminplanung gemeinsam betrachten
Die Abas ERP Disposition überwacht Änderungen an Terminen, Mengen, Beständen und Kapazitäten. Auswirkungen auf das Mengen- und Termingerüst führen zu neuen oder angepassten Beschaffungsvorschlägen.
Damit lässt sich eine verspätete externe Bearbeitung nicht nur als Einkaufsproblem betrachten. Sie wird im Zusammenhang mit Materialbedarf, Fertigungsauftrag und Zieltermin sichtbar.
Fremdbestände transparent führen
Abas ERP unterstützt Fremdlager und dokumentiert Materialbewegungen im Lagerbewegungsjournal. Menge, Zeitpunkt, Lagerort, Chargen- oder Seriennummer sowie der Bezug zu Projekt oder Kundenauftrag können nachvollzogen werden.
Kritische Beschaffungen frühzeitig erkennen
Über den Beschaffungsstatus lassen sich Beschaffungen über die Stufen einer Auftragsfertigung hinweg verfolgen. Abas bietet außerdem die Möglichkeit, den kritischen Pfad mit Vorgängen, Auslöser und Zieltermin zu ermitteln. Bei Engpässen können Kapazitäten umgeplant oder Make-or-Buy-Entscheidungen neu bewertet werden.
Reale Kosten in zukünftige Aufträge übernehmen
Durch Vor-, mitlaufende und Nachkalkulation können Plan- und Ist-Werte miteinander verglichen werden. So lassen sich Fremdleistungskosten und weitere Abweichungen auf Vorgangsebene analysieren und für zukünftige Kalkulationen berücksichtigen.

Praxisbeispiel: Wie ERNST Umformtechnik die verlängerte Werkbank vernetzt
Lieferantenanbindung, Kommunikation und Nachverfolgbarkeit in einem durchgängigen Prozess
ERNST Umformtechnik setzt Abas ERP an Standorten in Deutschland, Frankreich, China und den USA ein. Das Unternehmen nutzt das System unter anderem in Verkauf, Einkauf, Controlling, Projektmanagement, Produktionsplanung, Rechnungswesen und Lagerverwaltung. Für die eigene verlängerte Werkbank setzt ERNST bei der Auftragsabwicklung und Kommunikation mit Lieferanten und deren Subunternehmen ein speziell programmiertes Abas B2B Portal ein.
Das Beispiel passt direkt zum Kernproblem der Fremdfertigung: Nicht nur die Bestellung, sondern auch die Kommunikation mit den beteiligten Partnern wird an den ERP-Prozess angebunden.
„So haben wir unsere Lieferantenanbindung an das abas ERP-System mit der Abas eBusiness Lösung realisiert. Hierdurch hat sich die Kommunikation mit unseren Lieferanten erheblich vereinfacht.“
Rolf Wingert, IT-Teamleiter bei ERNST Umformtechnik
Zusätzlich werden Artikel und Lagerbewegungen mithilfe von Identifikationssystemen wie Barcode-Scannern erfasst. Laut ERNST wurde das Tracking & Tracing der Produkte durch die implementierte Barcode-Scanner-Lösung erst ermöglicht.
Der konkrete Nutzen im Kontext der verlängerten Werkbank
- Die Kommunikation mit Lieferanten wird direkt an den ERP-Prozess angebunden.
- Externe Partner und Subunternehmen werden in die Auftragsabwicklung einbezogen.
- Materialbewegungen lassen sich über Identifikationssysteme erfassen.
- Tracking & Tracing verbessert die Nachvollziehbarkeit der Produkte.
- Einkauf, Produktionsplanung, Lager und weitere Unternehmensbereiche arbeiten im selben Systemzusammenhang.
Weitere Erfahrungen aus der Praxis
„Hierdurch hat sich die Kommunikation mit unseren Lieferanten erheblich vereinfacht.“
Rolf Wingert, IT-Teamleiter, ERNST Umformtechnik
„Das Tracking & Tracing der Produkte ist mit der Implementierung der Barcode-Scanner-Lösung überhaupt erst möglich geworden.“
Rolf Wingert, IT-Teamleiter, ERNST Umformtechnik
„Mit Abas haben wir eine Verfügbarkeit von Informationen auf Knopfdruck.“
Florian Grenda, Projektleiter, Lignotrend Produktions GmbH
Vorteile kompakt: Was eine integrierte Fremdfertigungssteuerung verbessert
Transparente Materialbestände
Sie erkennen, welche eigenen Materialien sich im Werk, im Transport oder beim Fremdfertiger befinden.
Verlässlichere Liefertermine
Externe Bearbeitungszeiten werden in die Produktions- und Terminplanung einbezogen.
Weniger manueller Abstimmungsaufwand
Einkauf, Disposition, Lager und Produktion greifen auf eine gemeinsame Datenbasis zu.
Frühzeitige Reaktion auf Verzögerungen
Kritische Rücklieferungen und deren Auswirkungen auf Folgearbeitsgänge werden früher sichtbar.
Lückenlose Rückverfolgbarkeit
Materialbewegungen, Chargen, Seriennummern und Auftragsbezüge bleiben nachvollziehbar.
Realistischere Kalkulationen
Tatsächliche Fremdleistungskosten und Abweichungen können in die Nachkalkulation einfließen.
Flexiblere Make-or-Buy-Entscheidungen
Arbeitsgänge lassen sich abhängig von Kapazität, Kosten oder Terminen intern oder extern einplanen.
Bessere Lieferantenbewertung
Termin-, Mengen- und Qualitätsabweichungen bilden eine belastbare Grundlage für zukünftige Vergaben.
Fazit: Die verlängerte Werkbank darf kein digitaler blinder Fleck bleiben
Fremdfertigung schafft Flexibilität, Zugang zu Spezialwissen und zusätzliche Kapazität. Sie funktioniert jedoch nur dann zuverlässig, wenn externe Arbeitsschritte ebenso konsequent geplant und gesteuert werden wie die Prozesse im eigenen Werk.
Entscheidend ist eine durchgängige Verbindung von Fertigungsauftrag, externem Arbeitsgang, Beistellmaterial, Fremdlager, Bestellung, Rückmeldung, Qualitätsprüfung und Kalkulation. Erst dadurch wird sichtbar, wo sich Material befindet, wann es zurückkommt und welche Folgen eine Abweichung für Produktion, Liefertermin und Marge hat.
Abas ERP integriert Lohnfertigung beziehungsweise die verlängerte Werkbank in die Fertigungsplanung und verbindet sie mit Disposition, Einkauf, Lager und Kostenbetrachtung. Damit bleibt die Wertschöpfung auch dann steuerbar, wenn ein Teil davon außerhalb des eigenen Unternehmens stattfindet.
Fremdfertigung ohne Kontrollverlust steuern mit Abas ERP
Wenn ausgelagerte Arbeitsgänge, unklare Materialbestände oder verspätete Rücklieferungen Ihre Produktionsplanung ausbremsen, ist es Zeit für eine durchgängige Steuerung.
Jetzt kostenlos selbst überzeugen: Sehen Sie, wie Fremdarbeitsgänge, Beistellmaterial, Liefertermine und Fertigungsaufträge in einem System zusammenarbeiten.

Was bedeutet „verlängerte Werkbank“ in der Produktion?
Als verlängerte Werkbank wird die Auslagerung einzelner Produktions- oder Bearbeitungsschritte an externe Dienstleister bezeichnet. Dazu gehören beispielsweise Härten, Beschichten, Lackieren, Galvanisieren, Zerspanen oder Montagearbeiten. Der externe Partner übernimmt dabei einen definierten Teil der Wertschöpfung, während der gesamte Fertigungsauftrag weiterhin vom beauftragenden Unternehmen gesteuert wird.
Warum führt Fremdfertigung häufig zu mangelnder Transparenz?
Probleme entstehen vor allem dann, wenn Bestellung, Fertigungsauftrag, Materialbewegung und Lieferantenkommunikation in getrennten Systemen geführt werden. Dadurch ist nicht eindeutig nachvollziehbar, welche Materialien beim Dienstleister liegen, welche Mengen bereits bearbeitet wurden und wann die Rücklieferung erfolgt.
Wie lässt sich Fremdfertigung im ERP abbilden?
Ein ERP-System sollte externe Arbeitsgänge direkt im Fertigungsablauf berücksichtigen. Dazu gehören die Ermittlung des Materialbedarfs, die Bestellung der Fremdleistung, die Bereitstellung und Übergabe von Material, die Führung von Fremdbeständen, die Rückmeldung bearbeiteter Mengen sowie die Übergabe an nachfolgende Produktionsschritte.
Was passiert, wenn der Fremdfertiger zu spät liefert?
Bei einer integrierten Terminplanung wird die Verzögerung im Zusammenhang mit dem Fertigungsauftrag betrachtet. Dadurch lässt sich erkennen, welche nachfolgenden Arbeitsgänge, Kapazitäten und Kundenaufträge betroffen sind. Die Disposition kann daraufhin umplanen, Teilmengen berücksichtigen, alternative Lieferanten prüfen oder eine Make-or-Buy-Entscheidung neu bewerten.
Wie beeinflusst Fremdfertigung die Nachkalkulation?
Neben dem Preis der Fremdleistung können Transport, Verpackung, Qualitätsprüfung, Ausschuss, Nacharbeit und Expresszuschläge entstehen. Werden diese Kosten dem Fertigungsauftrag und Arbeitsgang zugeordnet, lassen sich Soll- und Ist-Kosten vergleichen. Dadurch werden Margenabweichungen sichtbar und zukünftige Angebote können realistischer kalkuliert werden.
Welche Kennzahlen sind für die Steuerung von Fremdfertigern wichtig?
Wichtige Kennzahlen sind Liefertermintreue, Bearbeitungszeit, offene Menge, Ausschussquote, Nacharbeitsquote, Preisabweichung, Reklamationshäufigkeit und Vollständigkeit der Rückmeldungen. Diese Informationen unterstützen die operative Steuerung und eine objektive Lieferantenbewertung.
Kann Abas ERP zwischen Eigenfertigung und Fremdfertigung wechseln?
Abas ERP ermöglicht es, die Beschaffungsart situationsbezogen zu verändern. Für denselben Artikel können Fertigungs- und Beistellteilelisten vorbereitet werden. Dadurch lässt sich abhängig von Kapazität, Materialverfügbarkeit oder Terminsituation zwischen interner Fertigung und Fremdbeschaffung wechseln.
Wie unterstützt Abas ERP die verlängerte Werkbank?
Lohnfertigung und verlängerte Werkbank sind Bestandteil der Abas Fertigungsplanung. Externe Veredelungen können Lohnfertigungsvorschläge auslösen. Zusätzlich lassen sich Materialbedarfe, Fremdlager, Beschaffungen, Termine und Fertigungsvorgänge in einem durchgängigen Systemzusammenhang steuern