Fertigungstypen: Definition, Arten und Auswahlkriterien
Hohe Lagerbestände, ineffiziente Abläufe und unklare Kostenstrukturen? Wer seine Produktionsart nicht exakt auf das Produkt abstimmt, verliert bares Geld und Flexibilität. Die Wahl des richtigen Fertigungstyps bildet das Fundament für wirtschaftlichen Erfolg und pünktliche Lieferungen. Aber was genau sind Fertigungstypen, wie unterscheiden sie sich und welche Rolle spielt die Losgröße dabei?

1. Was ist ein Fertigungstyp? (Definition & Erklärung)
Um die Frage "Was ist ein Fertigungstyp?" zu beantworten, muss man den Blick auf die Häufigkeit der Prozesswiederholung richten. Eine Definition lässt sich wie folgt zusammenfassen: Fertigungstypen klassifizieren Produktionsprozesse basierend auf der Menge der hergestellten Einheiten und der Wiederholhäufigkeit des Fertigungsvorgangs.
Die Erklärung liegt im Detail: Es geht primär um die Losgröße. Fertigt ein Unternehmen ein Produkt nur einmal (Unikat) oder millionenfach (Masse)? Diese Einteilung ist entscheidend für die Kostenkalkulation, den Ressourceneinsatz und den Automatisierungsgrad. Während Fertigungsverfahren beschreiben, wie technologisch produziert wird (z. B. Gießen, Schweißen), beschreibt der Fertigungstyp, wie oft und in welcher Menge produziert wird.
2. Die drei Hauptarten der Fertigungstypen
In der Betriebswirtschaftslehre und im Produktionsmanagement unterscheidet man klassischerweise drei primäre Kategorien. Diese Differenzierung hilft Unternehmen, ihre Prozesse effizient zu steuern.
Einzelfertigung
Bei der Einzelfertigung wird ein Erzeugnis nur einmalig oder in sehr geringer Stückzahl hergestellt. Das Produkt ist oft ein Unikat, das speziell auf Kundenwunsch gefertigt wird.
- ✅ Vorteile: Maximale Flexibilität, hohe Berücksichtigung von Kundenwünschen, geringe Lagerhaltungskosten für Fertigwaren.
- ❌ Nachteile: Hohe Stückkosten, aufwendige Planung pro Auftrag, schwer automatisierbar.
- 💡 Beispiele: Spezialmaschinenbau, Schiffbau, Brückenbau, Maßanzüge.
Serienfertigung
Hier werden Produkte in begrenzter Stückzahl (Serie) hergestellt. Nach Abschluss einer Serie werden die Produktionsanlagen oft für eine neue Serie umgerüstet. Man unterscheidet weiter in Kleinserien (z. B. Spezialfahrzeuge) und Großserien (z. B. Haushaltsgeräte).
- ✅ Vorteile: Fixkostendegression (günstiger als Einzelfertigung), routinierte Abläufe, gleichbleibende Qualität.
- ⚠️ Herausforderung: Umrüstzeiten zwischen den Serien verursachen Stillstandskosten.
- 💡 Beispiele: Automobilindustrie, Möbelproduktion, Konfektionskleidung.
Massenfertigung
Dieser Typ zeichnet sich durch die dauerhafte Herstellung unbegrenzter Mengen eines Gutes über einen langen Zeitraum aus. Die Fertigungsprozesse sind hochgradig standardisiert und automatisiert.
- ✅ Vorteile: Niedrigste Stückkosten (Economies of Scale), einfache Steuerung, hohe Produktivität.
- ❌ Nachteile: Kaum Flexibilität bei Marktänderungen, hohes Kapitalrisiko durch teure Spezialmaschinen, Monotonie für Mitarbeiter.
- 💡 Beispiele: Zigaretten, Schrauben, Zement, Getränkeflaschen.
Vergleich der Haupttypen:
| Merkmal | Einzelfertigung | Serienfertigung | Massenfertigung |
|---|---|---|---|
| Merkmal Stückzahl | Einzelfertigung 1 bis sehr wenige | Serienfertigung Begrenzt (Serie) | Massenfertigung Unbegrenzt / Hoch |
| Merkmal Kosten je Stück | Einzelfertigung Sehr hoch | Serienfertigung Mittel | Massenfertigung Sehr niedrig |
| Merkmal Flexibilität | Einzelfertigung Sehr hoch | Serienfertigung Mittel | Massenfertigung Sehr niedrig |
| Merkmal Automatisierung | Einzelfertigung Gering | Serienfertigung Mittel bis Hoch | Massenfertigung Sehr hoch |
3. Sonderformen: Sorten- und Chargenfertigung
Oft reichen die drei klassischen Typen nicht aus, um die Realität abzubilden. Daher gibt es spezialisierte Unterarten.
Sortenfertigung:
Sie ist eine Spezialform der Massenfertigung. Die Produkte sind sich in der Herstellung sehr ähnlich und unterscheiden sich nur geringfügig, etwa durch Größe, Farbe oder Form. Da die technologische Basis gleich bleibt, ist die Umrüstung der Maschinen minimal.
Beispiel: Bierbrauerei (Pils, Weizen, Export) oder Auto-Reifen in verschiedenen Dimensionen.
Chargenfertigung:
Hierbei ist die Menge durch das Fassungsvermögen eines Betriebsmittels begrenzt (z. B. einen Hochofen oder einen Mischbehälter). Eine "Charge" hat in sich identische Eigenschaften, aber die nächste Charge kann qualitativ leicht abweichen (z. B. bei Naturprodukten).
Beispiel: Medikamentenherstellung, Farbproduktion, Keramikbrennen.
4. Abgrenzung: Fertigungstyp vs. Organisationstyp
Es ist wichtig, Fertigungstypen nicht mit Fertigungsorganisationstypen zu verwechseln. Während der Fertigungstyp die Menge beschreibt, regelt der Organisationstyp die räumliche Anordnung.
- Werkstattfertigung: Maschinen gleicher Verrichtung sind räumlich zusammengefasst (z. B. alle Fräsmaschinen in einer Halle). Ideal für Einzel- und Kleinserienfertigung.
- Fließfertigung: Die Maschinen sind in der Reihenfolge der Arbeitsschritte angeordnet (Fließband). Ideal für Massen- und Großserienfertigung.
- Gruppenfertigung: Eine Kombination, bei der komplette Baugruppen in Fertigungsinseln hergestellt werden.
5. Kriterien zur Auswahl des passenden Typs
Welcher Typ für ein Unternehmen sinnvoll ist, hängt von diversen Faktoren ab. Eine falsche Entscheidung kann hier die Wettbewerbsfähigkeit gefährden.
Wichtige Entscheidungskriterien:
- Marktnachfrage: Wird das Produkt millionenfach benötigt oder ist es eine Nische?
- Produktkomplexität: Je komplexer und individueller, desto eher Einzelfertigung.
- Kapitalbedarf: Massenfertigung erfordert extrem hohe Investitionen in Anlagen.
- Lagerfähigkeit: Kann auf Lager produziert werden (Massenfertigung) oder nur auf Bestellung (Einzelfertigung)?
6. Abas ERP: Lösungen für den Mittelstand
Gerade für fertigende Unternehmen im Mittelstand ist die digitale Abbildung dieser komplexen Prozesse überlebenswichtig. Abas ERP hat sich hier als starke Lösung etabliert, die speziell auf die Bedürfnisse von Produktions- und Fertigungsunternehmen zugeschnitten ist. Ob Einzel-, Serien- oder Variantenfertigung – die Software liefert die nötigen Werkzeuge für eine präzise Steuerung.
Abas versteht sich dabei als umfassendes System, das alle Unternehmensbereiche vernetzt. Anstatt von "integrierten" Modulen zu sprechen, die oft als starre Blöcke wahrgenommen werden, setzt Abas auf eine durchgängige Datenbasis. Funktionen greifen nahtlos ineinander:
- Produktionsplanung und -steuerung (PPS): Abas ermöglicht eine exakte Feinplanung, um Engpässe frühzeitig zu erkennen, egal ob bei Werkstatt- oder Fließfertigung.
- Variantenmanagement: Besonders bei der auftragsbezogenen Fertigung hilft das System, komplexe Stücklisten und Arbeitspläne effizient zu verwalten, ohne dass der administrative Aufwand explodiert.
- Cloud ERP Option: Für moderne KMUs gibt es die flexible Abas Cloud-Edition, die Datensicherheit und Verfügbarkeit gewährleisten, ohne eigene Serverfarmen betreiben zu müssen.
- Kalkulation: Durch die Vernetzung aller Daten (Einkaufspreise, Maschinenstundensätze, Personalzeiten) liefert das System exakte Nachkalkulationen für jeden Fertigungsauftrag.
Die Stärke liegt in der Anpassungsfähigkeit. Ein Mittelständler, der heute Kleinserien fertigt und morgen in die Chargenfertigung einsteigt, benötigt eine Software, die mitwächst und Prozesse nicht blockiert, sondern unterstützt.
Inhaltsverzeichnis
Abas Broschüre
Transparente Produktionsplanung und -simulation mit Abas APS
Erfahren Sie, wie Abas APS Sie dabei unterstützt, Fertigungsprozesse wirklichkeitsnah abzubilden, Material- und Kapazitätsengpässe zu erkennen, vorausschauend zu planen und in der Simulation unterschiedliche Szenarien zu prüfen.
Was ist der Unterschied zwischen Serien- und Massenfertigung?
Der Hauptunterschied liegt in der Begrenzung. Die Serienfertigung ist mengenmäßig begrenzt (eine Serie endet), während die Massenfertigung zeitlich unbegrenzt und kontinuierlich läuft. Zudem ist die Variantenvielfalt in der Serienfertigung meist höher.
Welcher Fertigungstyp ist der kostengünstigste?
Bezogen auf die Stückkosten ist die Massenfertigung am günstigsten, da sich Fixkosten auf eine riesige Menge verteilen (Fixkostendegression). Die Einzelfertigung ist pro Stück am teuersten.
Was versteht man unter Auftragsfertigung?
Auftragsfertigung (Make-to-Order) ist kein eigener Fertigungstyp im Sinne der Menge, sondern ein Auslöseprinzip. Sie findet meist in der Einzel- oder Kleinserienfertigung statt, wo die Produktion erst nach Eingang einer Kundenbestellung startet.
Eignen sich ERP-Systeme wie Abas für alle Fertigungstypen?
Ja, moderne Systeme wie Abas sind darauf ausgelegt, verschiedene Typen abzubilden – oft sogar parallel (Hybridfertigung), wenn ein Unternehmen sowohl Serienprodukte als auch Sonderanfertigungen anbietet.
