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Stillstand hat seinen Preis: Die versteckten Kosten veralteter ERP-Systeme

Stillstand hat seinen Preis: Die versteckten Kosten veralteter ERP-Systeme

Viele mittelständische Unternehmen kennen die Situation: Das bestehende ERP-System läuft, Prozesse funktionieren einigermaßen und größere Investitionen werden lieber verschoben. Schließlich gibt es aktuell genügend andere Prioritäten. Doch genau hier lauert ein oft unterschätztes Risiko: Die Kosten des Nichtstuns. 

Während bei der Diskussion um Cloud ERP häufig Lizenzkosten, Implementierungsaufwand oder monatliche Abonnementgebühren im Fokus stehen, geraten die finanziellen Folgen des Festhaltens an bestehenden Strukturen schnell aus dem Blick. Dabei können diese langfristig deutlich schwerer wiegen als die eigentliche Investition in eine moderne ERP-Lösung. Die sogenannten „Cost of Inaction“ entwickeln sich für viele Unternehmen zunehmend zu einem echten Wettbewerbsnachteil. 

Sichtbare Kosten sind nur die halbe Wahrheit 

Investitionsentscheidungen werden häufig anhand direkt messbarer Kosten getroffen. Bei ERP-Projekten sind das beispielsweise Softwarelizenzen, Beratungsleistungen oder Infrastrukturkosten. Was in vielen Business Cases jedoch fehlt, sind die Kosten, die durch unterlassene Modernisierungsmaßnahmen entstehen. 

Diese Kosten tauchen selten auf einer Rechnung auf. Stattdessen zeigen sie sich schleichend in Form von Produktivitätseinbußen, steigenden Wartungsaufwänden oder einer sinkenden Innovationsfähigkeit. 

Die zentrale Frage lautet daher nicht mehr nur: „Was kostet eine ERP-Modernisierung?“ 

Sondern vielmehr: „Was kostet es, wenn wir sie nicht durchführen?“ 

Wo versteckte ERP Kosten im Alltag entstehen  

Viele Unternehmen arbeiten heute mit ERP-Lösungen, die über Jahre hinweg individuell angepasst wurden. Auf den ersten Blick scheint dies ein Vorteil zu sein. Tatsächlich entstehen dadurch jedoch häufig komplexe IT-Landschaften, die zunehmend schwieriger zu warten und weiterzuentwickeln sind. 

Die Folgen zeigen sich im Tagesgeschäft: 

  • Prozesse bleiben manuell und fehleranfällig 
  • Neue Anforderungen lassen sich nur mit hohem Aufwand umsetzen 
  • Schnittstellen zu modernen Anwendungen fehlen 
  • Mitarbeitende verlieren Zeit durch langsame oder umständliche Abläufe 

Besonders in Zeiten des Fachkräftemangels wird dieser Aspekt kritisch. Wenn qualifizierte Mitarbeiter täglich wertvolle Zeit mit Workarounds und manuellen Tätigkeiten verbringen, entstehen Kosten, die in keiner ERP-Lizenzrechnung auftauchen. Hinzu kommt häufig eine Form der Schatten-IT: Fachabteilungen pflegen aus Frust über fehlende Funktionen oder langsame Prozesse weiterhin eigene Excel-Listen und Datenbestände. Dadurch entstehen zusätzliche Doppelaufwände, Inkonsistenzen und weitere versteckte ERP Kosten. 

Innovation & ERP

Innovationsprojekte bleiben auf der Strecke 

Digitalisierung, KI, Automatisierung oder IoT gehören inzwischen zu den strategischen Kernthemen vieler Industrieunternehmen. Doch moderne Technologien entfalten ihren Nutzen nur dann, wenn die zugrunde liegende Systemlandschaft dafür vorbereitet ist. 

Veraltete ERP-Systeme werden häufig zum Bremsklotz für Innovationsinitiativen. Unternehmen investieren dann nicht in neue Wertschöpfungspotenziale, sondern in den Erhalt bestehender Strukturen. 

Während Wettbewerber neue Geschäftsmodelle entwickeln und Prozesse automatisieren, fließen interne Ressourcen weiterhin in die Pflege einer alternden Infrastruktur. Die eigentlichen Kosten entstehen dabei nicht durch das bestehende System selbst, sondern durch die verpassten Chancen. 

Warum Aufschieben oft teurer wird 

Ein weiterer Aspekt wird in Modernisierungsprojekten häufig unterschätzt: Die Migration wird nicht einfacher, wenn sie verschoben wird. 

Im Gegenteil. Mit jedem Jahr wachsen technische Altlasten, individuelle Anpassungen und Integrationsabhängigkeiten weiter an. Dadurch steigt nicht nur die Komplexität eines späteren Projekts, sondern oft auch dessen Aufwand. 

Gleichzeitig besteht das Risiko, dass ältere Softwareversionen vom Hersteller nicht mehr vollständig unterstützt werden oder aktuelle Sicherheits- und Compliance-Anforderungen nur noch schwer erfüllt werden können. 

Was heute noch als vertretbare Entscheidung erscheint, kann in einigen Jahren zu einer deutlich größeren Herausforderung werden. 

Darüber hinaus wächst mit jedem Jahr der Aufwand für die spätere Datenmigration. Historisch gewachsene Altsysteme, individuelle Anpassungen und komplexe Schnittstellen erhöhen die Komplexität eines Modernisierungsprojekts erheblich. Auch der Abstimmungsbedarf mit Implementierungspartnern oder dem Systemintegrator steigt dadurch häufig.  

Bei der Bewertung einer ERP-Modernisierung sollte zudem der TCO (Total Cost of Ownership) betrachtet werden. Dieser umfasst nicht nur Anschaffungs- und Betriebskosten, sondern auch Aufwände für Change-Management, Release-Management, Schulungen sowie die laufende Weiterentwicklung der Lösung. Zwar kann es rund um den Go-Live einer neuen ERP-Lösung kurzfristig zu einem Produktivitätsverlust kommen, da sich Mitarbeitende zunächst an neue Prozesse und Oberflächen gewöhnen müssen. Langfristig werden diese Effekte jedoch häufig durch höhere Effizienz, bessere Automatisierung und geringere Betriebskosten ausgeglichen. Eine strukturierte Post-Go-Live-Optimierung hilft zusätzlich dabei, den Nutzen der neuen Lösung kontinuierlich weiter auszubauen. 

Die eigentliche Kostenfrage neu denken 

ERP-Entscheidungen sollten deshalb nicht ausschließlich auf Basis von Lizenz- oder Betriebskosten getroffen werden. Eine ganzheitliche Betrachtung muss auch Faktoren wie Produktivität, Innovationsfähigkeit, Skalierbarkeit und zukünftige Risiken berücksichtigen. 

Denn die teuerste ERP-Lösung ist nicht zwangsläufig die mit den höchsten Investitionskosten. Oft ist es die Lösung, die Unternehmen daran hindert, effizienter zu arbeiten, Innovationen umzusetzen oder flexibel auf Marktveränderungen zu reagieren. 

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Fazit: Nicht nur die Kosten einer Investition betrachten 

Wer die Wirtschaftlichkeit seiner ERP-Strategie bewerten möchte, sollte den Blick über Anschaffungs- und Betriebskosten hinaus erweitern. Die versteckten Kosten des Nichtstuns können langfristig erheblichen Einfluss auf Wettbewerbsfähigkeit, Wachstum und Innovationskraft haben. 

Neben direkten Kosten sollten Unternehmen auch Opportunitätskosten berücksichtigen. Denn jede verschobene Modernisierung kann dazu führen, dass Effizienzpotenziale ungenutzt bleiben, Innovationsprojekte verzögert werden oder Wettbewerber schneller auf neue Marktanforderungen reagieren können. Darüber hinaus steigt das Risiko von Scope Creep und zusätzlichen Projektaufwänden, je länger eine Modernisierung hinausgezögert wird. Scope Creep bezeichnet dabei die schleichende Ausweitung des Projektumfangs: Anforderungen, Schnittstellen, Sonderfälle oder individuelle Anpassungen nehmen im Laufe der Zeit zu und machen eine spätere ERP-Modernisierung komplexer, aufwändiger und schwerer planbar. 

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