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Finanzwesen und Rechnungswesen: Aufgaben und Unterschiede erklärt

Finanzwesen und Rechnungswesen

Finanzwesen und Rechnungswesen gehören zu den zentralen Funktionsbereichen eines Unternehmens. Beide beschäftigen sich mit Geld, Werten und wirtschaftlichen Vorgängen. Ihre Aufgaben und Perspektiven sind jedoch nicht vollständig identisch.

Das Finanzwesen befasst sich mit der Beschaffung, Verwendung, Planung und Steuerung finanzieller Mittel. Es stellt sicher, dass ein Unternehmen seine Zahlungsverpflichtungen erfüllen, Investitionen finanzieren und seine finanziellen Ressourcen wirtschaftlich einsetzen kann.

Das Rechnungswesen erfasst, dokumentiert, verarbeitet und analysiert wirtschaftliche Vorgänge. Es bildet unter anderem Geschäftsvorfälle, Vermögen, Schulden, Erlöse und Kosten ab. Dadurch stellt es Informationen für gesetzliche Nachweise, die Unternehmenssteuerung und finanzielle Entscheidungen bereit.

Vereinfacht lässt sich der Unterschied so zusammenfassen:

  • Das Finanzwesen steuert finanzielle Mittel und Zahlungsströme.
  • Das Rechnungswesen dokumentiert und bewertet wirtschaftliche Vorgänge.
  • Die Buchhaltung erfasst Geschäftsvorfälle als Teil des Rechnungswesens.
  • Das Controlling nutzt Finanz- und Leistungsdaten für Planung, Steuerung und Kontrolle.

In der betrieblichen Praxis greifen Finanzwesen und Rechnungswesen eng ineinander. Finanzielle Entscheidungen benötigen verlässliche Daten aus der Buchhaltung. Umgekehrt führen Finanzierung, Investitionen und Zahlungsverkehr zu Geschäftsvorfällen, die im Rechnungswesen erfasst werden müssen.

Ein integriertes ERP-System verbindet diese Bereiche mit Einkauf, Vertrieb, Lager, Produktion, Projekten und weiteren Unternehmensprozessen. Dadurch müssen finanzielle Informationen nicht nachträglich aus getrennten Systemen zusammengeführt werden.

Was ist Finanzwesen?

Das betriebliche Finanzwesen umfasst alle Aufgaben, die sich mit der Beschaffung, Verwendung und Steuerung finanzieller Mittel eines Unternehmens beschäftigen.

Es beantwortet unter anderem folgende Fragen:

  • Wie viel Liquidität steht zur Verfügung?
  • Welche Zahlungen werden in den nächsten Wochen erwartet?
  • Welche Verbindlichkeiten werden fällig?
  • Wie sollen Investitionen finanziert werden?
  • Wie hoch ist der zukünftige Kapitalbedarf?
  • Welche Finanzierungsformen sind geeignet?
  • Wie lassen sich finanzielle Risiken begrenzen?
  • Welche Mittel stehen für Wachstum und Innovation zur Verfügung?
  • Wie können überschüssige liquide Mittel verwendet werden?
  • Wie entwickelt sich der Cashflow?
  • Kann das Unternehmen seinen Zahlungsverpflichtungen jederzeit nachkommen?

Das Finanzwesen betrachtet nicht nur bereits entstandene Geschäftsvorfälle. Es ist stark auf zukünftige Entscheidungen ausgerichtet.

Dabei geht es um die finanzielle Handlungsfähigkeit des Unternehmens und die Frage, wie Geld und Kapital wirtschaftlich eingesetzt werden können.

Welche Aufgaben gehören zum Finanzwesen?

Das Aufgabengebiet unterscheidet sich abhängig von Unternehmensgröße, Branche und Organisationsstruktur. Typischerweise gehören folgende Bereiche dazu.

Liquiditätsmanagement

Das Liquiditätsmanagement soll sicherstellen, dass das Unternehmen seine fälligen Zahlungsverpflichtungen erfüllen kann.

Berücksichtigt werden unter anderem:

  • verfügbare Bankguthaben
  • erwartete Kundenzahlungen
  • offene Forderungen
  • fällige Lieferantenrechnungen
  • Löhne und Gehälter
  • Steuern und Abgaben
  • Kreditraten
  • Leasingzahlungen
  • Investitionsausgaben
  • sonstige Ein- und Auszahlungen

Eine positive Ertragslage garantiert nicht automatisch ausreichende Liquidität. Ein Unternehmen kann Gewinne ausweisen und dennoch Zahlungsprobleme bekommen, wenn Kundenrechnungen spät beglichen werden oder hohe Investitionen kurzfristig finanziert werden müssen.

Finanzplanung

Die Finanzplanung betrachtet die erwartete Entwicklung der finanziellen Mittel.

Sie kann unterschiedliche Planungshorizonte umfassen:

  • kurzfristige Zahlungsplanung
  • mittelfristige Budgetplanung
  • langfristige Investitions- und Finanzierungsplanung

Grundlage sind unter anderem:

  • Umsatzplanung
  • Absatzplanung
  • Kostenplanung
  • Investitionsplanung
  • Personalplanung
  • Einkaufsplanung
  • Steuerzahlungen
  • Kreditvereinbarungen
  • erwartete Zahlungstermine

Die Finanzplanung verbindet operative und strategische Unternehmensentscheidungen mit ihren finanziellen Auswirkungen.

Finanzierung

Finanzierung beschreibt die Beschaffung der Mittel, die ein Unternehmen für laufende Geschäftstätigkeit, Investitionen oder Wachstum benötigt.

Grundsätzlich lassen sich verschiedene Finanzierungsquellen unterscheiden.

Eigenfinanzierung

Finanzielle Mittel werden beispielsweise durch Einlagen, Kapitalerhöhungen oder einbehaltene Gewinne bereitgestellt.

Fremdfinanzierung

Das Unternehmen beschafft Kapital von externen Geldgebern.

Mögliche Formen sind:

  • Bankkredite
  • Darlehen
  • Anleihen
  • Lieferantenkredite
  • Kontokorrentkredite
  • sonstige Fremdmittel

Innenfinanzierung

Die Finanzierung erfolgt aus Mitteln, die im Unternehmen selbst entstehen.

Außenfinanzierung

Das Kapital wird von externen Kapitalgebern bereitgestellt.

Welche Finanzierungsform geeignet ist, hängt unter anderem von Kapitalbedarf, Laufzeit, Kosten, Sicherheiten, Risiko und Unternehmensstrategie ab.

Investitionsmanagement

Investitionen binden finanzielle Mittel und sollen einen zukünftigen wirtschaftlichen Nutzen erzeugen.

Mögliche Investitionsobjekte sind:

  • Maschinen
  • Anlagen
  • Immobilien
  • Fahrzeuge
  • Software
  • Forschung und Entwicklung
  • neue Standorte
  • Beteiligungen
  • Unternehmensübernahmen

Das Investitionsmanagement bewertet unter anderem:

  • Anschaffungskosten
  • erwartete Zahlungen
  • Nutzungsdauer
  • Folgekosten
  • Finanzierung
  • wirtschaftlichen Nutzen
  • Risiken
  • alternative Investitionsmöglichkeiten

Das Rechnungswesen liefert hierfür historische Kosten- und Leistungsdaten. Das Finanzwesen verwendet diese Informationen, um zukünftige Entscheidungen vorzubereiten.

Zahlungsverkehr

Der Zahlungsverkehr umfasst die Abwicklung ein- und ausgehender Zahlungen.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Überweisungen
  • Lastschriften
  • Zahlungsdateien
  • Bankauszüge
  • Zahlungseingänge
  • Zahlungsausgänge
  • Zahlungsfreigaben
  • Auslandszahlungen
  • Währungszahlungen
  • Abstimmung von Bankkonten

Ein strukturierter Zahlungsverkehr ist eng mit Debitoren-, Kreditoren- und Liquiditätsmanagement verbunden.

Forderungsmanagement

Forderungsmanagement überwacht offene Kundenforderungen und unterstützt einen rechtzeitigen Zahlungseingang.

Zu den Aufgaben können gehören:

  • offene Posten überwachen
  • Zahlungseingänge zuordnen
  • Zahlungsziele kontrollieren
  • Mahnungen erstellen
  • Kreditlimits berücksichtigen
  • Zahlungsvereinbarungen dokumentieren
  • überfällige Forderungen bearbeiten
  • Risiken von Zahlungsausfällen bewerten

Ein wirksames Forderungsmanagement wirkt sich unmittelbar auf die Liquidität aus.

Verbindlichkeitenmanagement

Das Verbindlichkeitenmanagement betrachtet finanzielle Verpflichtungen gegenüber Lieferanten und weiteren Gläubigern.

Relevante Aufgaben sind:

  • Eingangsrechnungen verarbeiten
  • Fälligkeiten überwachen
  • Skontofristen beachten
  • Zahlungen planen
  • Rechnungen prüfen
  • Zahlungsfreigaben steuern
  • Lieferantenkonten abstimmen

Ziel ist nicht, Rechnungen grundsätzlich möglichst spät zu bezahlen. Entscheidend ist, Zahlungsbedingungen, Liquidität und Geschäftsbeziehungen sinnvoll miteinander zu verbinden.

Treasury

Treasury bezeichnet die aktive Steuerung von Liquidität und finanziellen Risiken.

Je nach Unternehmen können dazu gehören:

  • Liquiditätssteuerung
  • Bankbeziehungen
  • Finanzierung
  • Geldanlagen
  • Währungsrisiken
  • Zinsrisiken
  • Garantien
  • Bürgschaften
  • Cash Management
  • finanzielle Risikosteuerung

In kleineren und mittelständischen Unternehmen sind diese Aufgaben häufig Teil des allgemeinen Finanzwesens. Größere oder international tätige Unternehmen können dafür eigene Treasury-Funktionen besitzen.

Finanzrisikomanagement

Finanzielle Risiken können unter anderem entstehen durch:

  • Zahlungsausfälle
  • Liquiditätsengpässe
  • Zinsänderungen
  • Wechselkursschwankungen
  • Finanzierungskonditionen
  • Abhängigkeit von einzelnen Banken
  • hohe Kapitalbindung
  • unzureichende Versicherungsdeckung
  • fehlerhafte Zahlungsprozesse
  • Betrug und unberechtigte Transaktionen

Das Finanzrisikomanagement identifiziert, bewertet und überwacht solche Risiken.

Finanzanalyse

Die Finanzanalyse untersucht die finanzielle Entwicklung und Stabilität eines Unternehmens.

Mögliche Betrachtungsfelder sind:

  • Umsatz
  • Ergebnis
  • Cashflow
  • Liquidität
  • Eigenkapital
  • Fremdkapital
  • Forderungen
  • Verbindlichkeiten
  • Kapitalbindung
  • Rentabilität
  • Investitionen
  • Working Capital

Die Analyse nutzt Daten aus Rechnungswesen, Planung und operativen Geschäftsprozessen.

Was ist Rechnungswesen?

Das Rechnungswesen erfasst, dokumentiert, verarbeitet und wertet die wirtschaftlichen Vorgänge eines Unternehmens aus.

Es stellt Informationen bereit für:

  • Unternehmensleitung
  • Eigentümer und Gesellschafter
  • Gläubiger
  • Banken
  • Finanzbehörden
  • Kunden und Lieferanten
  • Wirtschaftsprüfung
  • Controlling
  • Fachbereiche
  • weitere berechtigte Interessengruppen

Das Rechnungswesen erfüllt mehrere Funktionen.

Dokumentation

Geschäftsvorfälle werden vollständig, nachvollziehbar und systematisch erfasst.

Information

Interne und externe Adressaten erhalten Informationen über die wirtschaftliche Lage und Entwicklung.

Kontrolle

Plan-, Soll- und Ist-Werte können verglichen und Abweichungen untersucht werden.

Planung

Historische Daten und aktuelle Werte dienen als Grundlage für Budgets, Forecasts und Entscheidungen.

Rechenschaft

Das Unternehmen legt gegenüber berechtigten externen Stellen Rechenschaft über seine wirtschaftliche Situation ab.

Welche Bereiche gehören zum Rechnungswesen?

Das betriebliche Rechnungswesen wird häufig in mehrere Teilbereiche gegliedert:

  1. externes Rechnungswesen
  2. internes Rechnungswesen
  3. betriebliche Statistik und Vergleichsrechnung
  4. Planungsrechnung

Die konkrete organisatorische Zuordnung kann sich von Unternehmen zu Unternehmen unterscheiden.

Externes Rechnungswesen

Das externe Rechnungswesen bildet die wirtschaftliche Lage des Unternehmens für externe Adressaten ab.

Dazu gehören insbesondere:

  • Buchführung
  • Finanzbuchhaltung
  • Bilanz
  • Gewinn- und Verlustrechnung
  • Jahresabschluss
  • gegebenenfalls weitere Abschlussbestandteile
  • steuerbezogene Unterlagen
  • gesetzlich erforderliche Berichte

Das externe Rechnungswesen unterliegt rechtlichen und formalen Vorgaben. Welche Anforderungen konkret gelten, hängt unter anderem von Rechtsform, Größe, Branche und Standort des Unternehmens ab.

Internes Rechnungswesen

Das interne Rechnungswesen unterstützt Planung, Steuerung und Kontrolle innerhalb des Unternehmens.

Dazu können gehören:

  • Kostenrechnung
  • Leistungsrechnung
  • Deckungsbeitragsrechnung
  • Kalkulation
  • Kostenstellenrechnung
  • Kostenträgerrechnung
  • Budgetierung
  • interne Ergebnisrechnung
  • Plan-Ist-Vergleiche
  • Wirtschaftlichkeitsanalysen
  • Betriebsabrechnung

Das interne Rechnungswesen ist stärker auf den Informationsbedarf des Managements ausgerichtet.

Im Unterschied zum externen Rechnungswesen kann seine Ausgestaltung weitgehend an den individuellen Bedürfnissen des Unternehmens orientiert werden.

Betriebliche Statistik und Vergleichsrechnung

Dieser Bereich verdichtet Daten, vergleicht Entwicklungen und macht Zusammenhänge sichtbar.

Mögliche Vergleiche sind:

  • Zeitvergleich
  • Plan-Ist-Vergleich
  • Soll-Ist-Vergleich
  • Standortvergleich
  • Produktvergleich
  • Kundenvergleich
  • Branchenvergleich
  • Kostenvergleich
  • Periodenvergleich

Planungsrechnung

Die Planungsrechnung überträgt Ziele und Annahmen in zukünftige Werte.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Umsatzplanung
  • Ergebnisplanung
  • Kostenplanung
  • Liquiditätsplanung
  • Investitionsplanung
  • Personalplanung
  • Finanzplanung
  • Budgetplanung

Die Planung verbindet Rechnungswesen, Controlling und Finanzwesen besonders eng.

Was ist der Unterschied zwischen Finanzwesen und Rechnungswesen?

Der Unterschied zwischen Finanzwesen und Rechnungswesen liegt vor allem in Aufgaben, Perspektive und Zielsetzung.

KriteriumFinanzwesenRechnungswesen
Kriterium HauptaufgabeFinanzwesen finanzielle Mittel beschaffen, einsetzen und steuernRechnungswesen wirtschaftliche Vorgänge erfassen, dokumentieren und auswerten
Kriterium Zentrale FragestellungFinanzwesen Wie sichern und verwenden wir unsere finanziellen Mittel?Rechnungswesen Welche wirtschaftlichen Vorgänge sind entstanden und wie wirken sie sich aus?
Kriterium SchwerpunktFinanzwesen Liquidität, Finanzierung, Investitionen und ZahlungsströmeRechnungswesen Buchführung, Kosten, Leistungen, Vermögen, Schulden und Ergebnis
Kriterium Zeitliche PerspektiveFinanzwesen stark gegenwarts- und zukunftsorientiertRechnungswesen dokumentierend sowie planungs- und kontrollorientiert
Kriterium Typische AufgabenFinanzwesen Liquiditätsplanung, Finanzierung, Investition und TreasuryRechnungswesen Buchhaltung, Abschluss, Kostenrechnung und interne Auswertung
Kriterium Typische DatenFinanzwesen Zahlungspläne, Cashflow, Finanzierungsbedarf und InvestitionswerteRechnungswesen Buchungen, Belege, Konten, Kostenstellen und Abschlüsse
Kriterium ZielFinanzwesen finanzielle Handlungsfähigkeit sichernRechnungswesen wirtschaftliche Lage transparent und nachvollziehbar abbilden

Die Abgrenzung ist nicht in jedem Unternehmen gleich. Organisationseinheiten können anders benannt oder zusammengefasst sein.

Entscheidend ist die funktionale Unterscheidung:

  • Das Finanzwesen entscheidet über Geldbedarf, Zahlungsfähigkeit und Kapitalverwendung.
  • Das Rechnungswesen liefert die dafür erforderlichen Informationen und dokumentiert die Folgen dieser Entscheidungen.

Beispiel für den Unterschied zwischen Finanzwesen und Rechnungswesen

Ein Fertigungsunternehmen plant die Anschaffung einer neuen Produktionsanlage.

Aufgaben des Finanzwesens

Das Finanzwesen prüft:

  • Wie hoch ist der Kapitalbedarf?
  • Welche liquiden Mittel stehen zur Verfügung?
  • Soll die Anlage gekauft, finanziert oder geleast werden?
  • Welche Zahlungen entstehen in den kommenden Perioden?
  • Wie wirkt sich die Investition auf die Liquidität aus?
  • Welche finanziellen Risiken bestehen?
  • Welche Finanzierungskonditionen sind geeignet?

Aufgaben des Rechnungswesens

Das Rechnungswesen verarbeitet unter anderem:

  • Anschaffungskosten
  • Lieferantenrechnung
  • Nebenkosten
  • Aktivierung des Anlageguts
  • Abschreibungen
  • Zinsen
  • Zahlungen
  • laufende Betriebskosten
  • Kostenstellenzuordnung
  • Auswirkungen auf Bilanz und Ergebnis

Aufgaben des Controllings

Das Controlling vergleicht beispielsweise:

  • geplante und tatsächliche Investitionskosten
  • erwartete und realisierte Einsparungen
  • Auslastung
  • Produktivitätswirkung
  • Amortisation
  • Budgetabweichungen

Das Beispiel zeigt: Die Bereiche betrachten denselben Sachverhalt aus unterschiedlichen Perspektiven.

Ist das Rechnungswesen ein Teil des Finanzwesens?

Im betrieblichen Sprachgebrauch wird Finanzwesen häufig als übergeordnete Finanzfunktion verstanden, der auch das Rechnungswesen zugeordnet ist.

Organisatorisch kann der Bereich beispielsweise umfassen:

  • Finanzbuchhaltung
  • Anlagenbuchhaltung
  • Kostenrechnung
  • Controlling
  • Treasury
  • Steuern
  • Zahlungsverkehr
  • Finanzierung
  • Investitionsplanung

In anderen Unternehmen werden Finanzwesen und Rechnungswesen als benachbarte Funktionsbereiche behandelt.

Beide Einordnungen können sinnvoll sein, sofern Aufgaben und Verantwortlichkeiten eindeutig geregelt sind.

Was ist der Unterschied zwischen Rechnungswesen und Buchhaltung?

Buchhaltung und Rechnungswesen werden im Alltag häufig synonym verwendet. Fachlich ist das Rechnungswesen jedoch umfassender.

Buchhaltung

Die Buchhaltung erfasst und verarbeitet Geschäftsvorfälle.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Eingangsrechnungen
  • Ausgangsrechnungen
  • Zahlungen
  • Gutschriften
  • Forderungen
  • Verbindlichkeiten
  • Anlagegüter
  • Reisekosten
  • Bankvorgänge
  • Kassenbewegungen

Rechnungswesen

Das Rechnungswesen umfasst zusätzlich zur Buchhaltung unter anderem:

  • Kosten- und Leistungsrechnung
  • Kalkulation
  • interne Auswertungen
  • Betriebsstatistik
  • Planungsrechnung
  • Abschlussrechnung
  • Plan-Ist-Vergleiche

Die Buchhaltung ist somit ein wesentlicher Bestandteil des Rechnungswesens.

Was ist Finanzbuchhaltung?

Die Finanzbuchhaltung, kurz FiBu, ist ein Teil des externen Rechnungswesens.

Sie erfasst die finanziell relevanten Geschäftsvorfälle eines Unternehmens.

Dazu gehören:

  • Forderungen
  • Verbindlichkeiten
  • Erlöse
  • Aufwendungen
  • Anlagevermögen
  • Bankbewegungen
  • Kassenbewegungen
  • Steuern
  • Rückstellungen
  • Abgrenzungen

Die Finanzbuchhaltung liefert unter anderem die Grundlage für Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung und weitere Abschlussarbeiten.

Was gehört zur Finanzbuchhaltung?

Hauptbuch

Das Hauptbuch führt die Buchungen auf Sachkonten zusammen.

Es bildet unter anderem Vermögenswerte, Schulden, Eigenkapital, Erträge und Aufwendungen ab.

Debitorenbuchhaltung

Die Debitorenbuchhaltung verwaltet Forderungen gegenüber Kunden.

Zu den Aufgaben gehören:

  • Ausgangsrechnungen
  • Gutschriften
  • Zahlungseingänge
  • offene Posten
  • Mahnwesen
  • Kontenabstimmung

Kreditorenbuchhaltung

Die Kreditorenbuchhaltung verwaltet Verbindlichkeiten gegenüber Lieferanten.

Dazu gehören:

  • Eingangsrechnungen
  • Gutschriften
  • offene Posten
  • Zahlungsfreigaben
  • Zahlungsläufe
  • Kontenabstimmung

Anlagenbuchhaltung

Die Anlagenbuchhaltung verwaltet längerfristig genutzte Vermögensgegenstände.

Dazu können gehören:

  • Maschinen
  • Anlagen
  • Fahrzeuge
  • Gebäude
  • Betriebsausstattung
  • Software
  • weitere Anlagegüter

Erfasst werden unter anderem Anschaffung, Wertentwicklung, Abschreibungen, Umbuchungen und Abgänge.

Bank- und Kassenbuchhaltung

Dieser Bereich bildet Zahlungsbewegungen auf Bank- und Kassenkonten ab.

Was ist internes Rechnungswesen?

Das interne Rechnungswesen stellt Informationen für Planung, Steuerung und Kontrolle bereit.

Es untersucht nicht nur, welche Aufwendungen und Erträge entstanden sind. Es fragt auch:

  • Wo sind Kosten entstanden?
  • Wofür sind die Kosten entstanden?
  • Welche Produkte oder Aufträge tragen zum Ergebnis bei?
  • Welche Abweichungen bestehen gegenüber der Planung?
  • Welche Bereiche arbeiten wirtschaftlich?
  • Wie wirken sich Preis-, Mengen- oder Kapazitätsveränderungen aus?
  • Welche Entscheidungen sind aus betriebswirtschaftlicher Sicht sinnvoll?

Kostenartenrechnung

Die Kostenartenrechnung beantwortet die Frage: Welche Kosten sind entstanden?

Beispiele sind:

  • Materialkosten
  • Personalkosten
  • Energiekosten
  • Abschreibungen
  • Fremdleistungen
  • Raumkosten
  • Transportkosten

Kostenstellenrechnung

Die Kostenstellenrechnung beantwortet die Frage: Wo sind die Kosten entstanden?

Kosten können beispielsweise folgenden Bereichen zugeordnet werden:

  • Fertigung
  • Einkauf
  • Vertrieb
  • Lager
  • Verwaltung
  • Qualitätssicherung
  • Instandhaltung

Kostenträgerrechnung

Die Kostenträgerrechnung beantwortet die Frage: Wofür sind die Kosten entstanden?

Kostenträger können beispielsweise sein:

  • Produkte
  • Aufträge
  • Projekte
  • Leistungen
  • Produktgruppen
  • Kundenaufträge

Leistungsrechnung

Die Leistungsrechnung bildet betriebliche Leistungen ab und stellt sie den entstandenen Kosten gegenüber.

Kalkulation

Die Kalkulation unterstützt unter anderem:

  • Preisfindung
  • Angebotskalkulation
  • Vorkalkulation
  • mitlaufende Kalkulation
  • Nachkalkulation
  • Bewertung von Fertigungsaufträgen
  • Wirtschaftlichkeitsanalyse

Was ist Controlling?

Controlling unterstützt die zielgerichtete Planung, Steuerung und Kontrolle des Unternehmens.

Dazu nutzt es Informationen aus:

  • Finanzbuchhaltung
  • Kostenrechnung
  • Vertrieb
  • Einkauf
  • Produktion
  • Lager
  • Projekten
  • Personalplanung
  • weiteren operativen Prozessen

Typische Aufgaben sind:

  • Budgetierung
  • Forecast
  • Kennzahlen
  • Abweichungsanalyse
  • Kostenkontrolle
  • Ergebnisrechnung
  • Investitionsrechnung
  • Berichtswesen
  • Wirtschaftlichkeitsanalyse
  • Managementunterstützung

Controlling bedeutet nicht nur nachträgliche Kontrolle. Es soll früh sichtbar machen, wenn sich das Unternehmen von seinen Zielen entfernt.

Finanzwesen und Controlling: Was ist der Unterschied?

Finanzwesen und Controlling verwenden viele gemeinsame Daten, verfolgen aber unterschiedliche Schwerpunkte.

Das Finanzwesen konzentriert sich stärker auf:

  • Liquidität
  • Finanzierung
  • Investitionen
  • Zahlungsströme
  • Kapital
  • finanzielle Risiken

Das Controlling konzentriert sich stärker auf:

  • Planung
  • Zielerreichung
  • Wirtschaftlichkeit
  • Kennzahlen
  • Abweichungen
  • Entscheidungsunterstützung
  • Steuerung von Ergebnis und Leistung

Das Finanzwesen prüft beispielsweise, ob eine Investition finanziert werden kann und wie sie sich auf die Liquidität auswirkt.

Das Controlling bewertet, ob die Investition wirtschaftlich ist und ob die erwarteten Verbesserungen tatsächlich erreicht werden.

Finanzwesen und Rechnungswesen im Unternehmensprozess

Finanz- und Rechnungswesen sind nicht auf die Finanzabteilung begrenzt. Geschäftsvorfälle entstehen in nahezu allen Unternehmensbereichen.

Einkauf

Im Einkauf entstehen unter anderem:

  • Bestellungen
  • Wareneingänge
  • Eingangsrechnungen
  • Verbindlichkeiten
  • Zahlungsbedingungen
  • Preisabweichungen
  • Beschaffungskosten

Vertrieb

Im Vertrieb entstehen:

  • Angebote
  • Kundenaufträge
  • Lieferungen
  • Ausgangsrechnungen
  • Forderungen
  • Erlöse
  • Gutschriften
  • Zahlungsbedingungen

Produktion

In der Produktion entstehen:

  • Materialverbräuche
  • Fertigungszeiten
  • Gemeinkosten
  • Ausschuss
  • Nacharbeit
  • unfertige Erzeugnisse
  • fertige Erzeugnisse
  • Herstellkosten

Lager

Lagerbewegungen beeinflussen:

  • Bestandsmengen
  • Bestandswerte
  • Materialverbrauch
  • Kapitalbindung
  • Inventurdifferenzen
  • Umlagerungen
  • Warenbewegungen

Projektmanagement

Projekte erzeugen:

  • Arbeitszeiten
  • Materialkosten
  • Fremdleistungen
  • Meilensteinrechnungen
  • Projektumsätze
  • offene Leistungen
  • Projektkosten
  • Budgets

Service

Serviceprozesse können erzeugen:

  • Ersatzteilverbräuche
  • Arbeitszeiten
  • Reisekosten
  • Serviceerlöse
  • Verträge
  • Gewährleistungsaufwand

Ein integriertes Finanz- und Rechnungswesen stellt sicher, dass diese Vorgänge nicht mehrfach manuell übertragen werden müssen.

Finanzwesen & Rechnungswesen

Welche Kennzahlen sind im Finanzwesen wichtig?

Welche Kennzahlen sinnvoll sind, hängt von Geschäftsmodell, Branche und Zielsetzung ab.

Liquidität

Liquiditätskennzahlen helfen dabei, die kurzfristige Zahlungsfähigkeit zu beurteilen.

Cashflow

Der Cashflow zeigt Zahlungsströme und unterstützt die Beurteilung, wie finanzielle Mittel entstehen und verwendet werden.

Working Capital

Das Working Capital betrachtet kurzfristige Vermögenswerte und Verpflichtungen und kann Hinweise auf die Kapitalbindung im operativen Geschäft geben.

Forderungslaufzeit

Die Forderungslaufzeit zeigt, wie lange es durchschnittlich dauert, bis Kundenforderungen bezahlt werden.

Verbindlichkeitenlaufzeit

Die Verbindlichkeitenlaufzeit betrachtet die durchschnittliche Zahlungsdauer gegenüber Lieferanten.

Eigenkapitalquote

Die Eigenkapitalquote setzt das Eigenkapital in Beziehung zum Gesamtkapital.

Verschuldungsgrad

Der Verschuldungsgrad betrachtet das Verhältnis verschiedener Kapitalbestandteile.

Rentabilität

Rentabilitätskennzahlen setzen ein Ergebnis in Beziehung zu einer geeigneten Bezugsgröße, beispielsweise Umsatz oder eingesetztem Kapital.

Kapitalbindung

Kapital kann unter anderem in folgenden Bereichen gebunden sein:

  • Lagerbestände
  • unfertige Erzeugnisse
  • fertige Erzeugnisse
  • Forderungen
  • Anlagen
  • Projekte

Ein einzelner Kennzahlenwert sollte nicht isoliert beurteilt werden. Definition, Zeitraum, Datenbasis, Branche und Vergleichswerte müssen berücksichtigt werden.

Welche Aufgaben erfüllt ein ERP-System im Finanzwesen?

Ein ERP-System verbindet finanzielle Daten mit den Geschäftsprozessen, in denen sie entstehen.

Dadurch können Informationen aus Einkauf, Vertrieb, Lager, Produktion und Projekten in Finanz- und Rechnungswesen einfließen.

Zentrale Datenbasis

Geschäftsbereiche arbeiten auf einer gemeinsamen Grundlage.

Ein Kundenauftrag kann beispielsweise mit Lieferung, Rechnung, Forderung und Zahlung verbunden werden.

Eine Bestellung kann mit Wareneingang, Eingangsrechnung, Verbindlichkeit und Zahlung verknüpft werden.

Automatisierte Buchungsgrundlagen

Operative Vorgänge können Buchungsinformationen erzeugen.

Beispiele sind:

  • Ausgangsrechnung aus einer Lieferung
  • Eingangsrechnung aus einem Beschaffungsvorgang
  • Materialverbrauch aus einem Fertigungsauftrag
  • Anlagezugang aus einer Investition
  • Projektkosten aus Zeit- und Materialerfassung
  • Bestandsveränderungen aus Lagerbewegungen

Welche Buchungen automatisch entstehen, hängt von Systemkonfiguration und Prozessgestaltung ab.

Weniger manuelle Übertragungen

Eine integrierte Lösung reduziert den Bedarf, Daten aus getrennten Systemen oder Tabellen in die Buchhaltung zu übertragen.

Aktuelle Auswertungen

Finanzdaten können enger mit operativen Informationen verbunden werden.

Dadurch lassen sich beispielsweise auswerten:

  • Umsatz nach Produkt oder Kunde
  • offene Forderungen
  • offene Verbindlichkeiten
  • Kosten nach Bereich
  • Projektkosten
  • Bestandswerte
  • Auftragsmargen
  • Plan-Ist-Abweichungen

Durchgängige Nachvollziehbarkeit

Von einer Finanzbuchung kann gegebenenfalls auf den zugrunde liegenden Geschäftsvorgang zurückgegriffen werden.

Beispiele sind:

  • Rechnung
  • Lieferung
  • Kundenauftrag
  • Bestellung
  • Wareneingang
  • Fertigungsauftrag
  • Projekt
  • Beleg

Welche Funktionen bietet ein ERP-Finanzmodul?

Der konkrete Funktionsumfang unterscheidet sich je nach ERP-System. Typische Funktionsbereiche sind:

  • Hauptbuch
  • Debitorenbuchhaltung
  • Kreditorenbuchhaltung
  • Anlagenbuchhaltung
  • Bankbuchhaltung
  • Kassenbuchhaltung
  • offene Posten
  • Mahnwesen
  • Zahlungsverkehr
  • Kostenrechnung
  • Kostenstellen
  • Kostenträger
  • Budgetierung
  • Finanzplanung
  • Reporting
  • Konsolidierung
  • Währungen
  • Steuern
  • Abschlussunterstützung

Ein ERP-System muss nicht jede spezialisierte Finanzfunktion selbst bereitstellen. Je nach Unternehmensanforderung können ergänzende Systeme angebunden werden.

Vorteile eines integrierten Finanz- und Rechnungswesens

Einheitliche Informationen

Finanzabteilung und Fachbereiche greifen auf dieselben Geschäftsvorgänge zurück.

Weniger Doppelerfassung

Auftrags-, Liefer-, Rechnungs- und Zahlungsdaten müssen seltener mehrfach eingegeben werden.

Schnellere Verarbeitung

Automatisierte Workflows können wiederkehrende Abläufe unterstützen und Bearbeitungszeiten reduzieren.

Höhere Transparenz

Operative und finanzielle Daten werden miteinander verbunden.

Bessere Abstimmung

Einkauf, Vertrieb, Produktion, Projekte und Finanzwesen arbeiten nicht auf getrennten Datenständen.

Aktuellere Planung

Offene Aufträge, Bestellungen, Forderungen und Verbindlichkeiten können in finanzielle Planungen einfließen.

Durchgängige Kontrollmöglichkeiten

Freigaben, Berechtigungen und Belegketten lassen sich systematisch gestalten.

Bessere Entscheidungsgrundlage

Managemententscheidungen können auf finanziellen und operativen Informationen beruhen.

Finanzwesen und Rechnungswesen mit Abas ERP

Abas ERP verbindet Finanz- und Rechnungswesen mit zentralen operativen Unternehmensprozessen.

Dazu gehören unter anderem:

  • Vertrieb
  • Einkauf
  • Materialwirtschaft
  • Fertigung
  • Lager
  • Projektmanagement
  • Service
  • Qualitätsmanagement
  • Controlling

Geschäftsvorfälle entstehen dadurch nicht isoliert in der Finanzbuchhaltung. Sie können direkt mit den zugrunde liegenden Aufträgen, Lieferungen, Materialien, Projekten und Belegen verbunden werden.

Finanzbuchhaltung

Die Finanzbuchhaltung unterstützt unter anderem die Verarbeitung von:

  • Debitoren
  • Kreditoren
  • Sachkonten
  • offenen Posten
  • Zahlungseingängen
  • Zahlungsausgängen
  • Mahnungen
  • Bankvorgängen

Anlagenbuchhaltung

Anlagegüter können über ihren betrieblichen Lebenszyklus hinweg verwaltet werden.

Dazu können gehören:

  • Zugang
  • Aktivierung
  • Abschreibung
  • Umbuchung
  • Abgang
  • Auswertung

Zahlungsverkehr

Offene Verbindlichkeiten, Fälligkeiten, Zahlungsbedingungen und verfügbare Zahlungsinformationen können in den Zahlungsprozess einfließen.

Forderungsmanagement

Offene Kundenforderungen lassen sich überwachen und nach definierten Regeln bearbeiten.

Kostenrechnung und Controlling

Operative Daten aus Fertigung, Projekten, Einkauf und weiteren Bereichen liefern eine Grundlage für:

  • Kostenstellenrechnung
  • Kostenträgerrechnung
  • Kalkulation
  • Projektcontrolling
  • Plan-Ist-Vergleiche
  • Managementauswertungen

Integration mit Geschäftsprozessen

Die Verbindung mit den operativen Prozessen unterstützt einen durchgängigen Datenfluss.

Beispiele sind:

  • Kundenauftrag bis Zahlung
  • Bestellung bis Lieferantenzahlung
  • Fertigungsauftrag bis Nachkalkulation
  • Projekt bis Abrechnung
  • Anlagebeschaffung bis Abschreibung

Welche Funktionen und Prozesse im konkreten Unternehmen genutzt werden, hängt von Systemkonfiguration, organisatorischen Anforderungen und geltenden Rechnungslegungsvorgaben ab.

Wie läuft ein integrierter Order-to-Cash-Prozess ab?

Order to Cash beschreibt den Ablauf vom Kundenauftrag bis zum Zahlungseingang.

Ein vereinfachter Prozess kann folgende Schritte enthalten:

  1. Kundenauftrag erfassen
  2. Lieferung vorbereiten
  3. Ware oder Leistung bereitstellen
  4. Lieferung oder Leistung bestätigen
  5. Ausgangsrechnung erstellen
  6. Forderung buchen
  7. Zahlungseingang verarbeiten
  8. offenen Posten ausgleichen
  9. bei Bedarf Mahnprozess durchführen

Das Rechnungswesen erhält die notwendigen Informationen aus Vertrieb und Auftragsabwicklung.

Das Finanzwesen verwendet offene Forderungen und erwartete Zahlungseingänge für die Liquiditätssteuerung.

Wie läuft ein integrierter Procure-to-Pay-Prozess ab?

Procure to Pay beschreibt den Ablauf vom Bedarf bis zur Zahlung an den Lieferanten.

Ein vereinfachter Prozess kann folgende Schritte enthalten:

  1. Bedarf feststellen
  2. Bestellung erstellen
  3. Auftragsbestätigung prüfen
  4. Wareneingang oder Leistung erfassen
  5. Eingangsrechnung verarbeiten
  6. Rechnung sachlich und rechnerisch prüfen
  7. Verbindlichkeit buchen
  8. Zahlung freigeben
  9. Zahlung durchführen
  10. offenen Posten ausgleichen

Durch die Verbindung von Bestellung, Wareneingang und Rechnung werden Abweichungen leichter sichtbar.

Herausforderungen im Finanz- und Rechnungswesen

Verteilte Daten

Informationen liegen in unterschiedlichen Systemen, Tabellen oder lokalen Dateien.

Manuelle Übertragungen

Daten werden mehrfach eingegeben oder zwischen Anwendungen kopiert.

Fehlende Aktualität

Finanzauswertungen stehen erst lange nach Ende einer Periode zur Verfügung.

Uneinheitliche Definitionen

Fachbereiche verwenden unterschiedliche Begriffe oder Berechnungen für dieselbe Kennzahl.

Fehlerhafte Stammdaten

Falsche Konten, Steuerschlüssel, Kostenstellen oder Zahlungsbedingungen führen zu Nacharbeit.

Unklare Verantwortlichkeiten

Es ist nicht eindeutig geregelt, wer Daten pflegt, Kontierungen prüft oder Zahlungen freigibt.

Medienbrüche

Papierbelege, E-Mails und Tabellen unterbrechen den digitalen Prozess.

Fehlende Prozessintegration

Buchhaltung und operative Geschäftsbereiche arbeiten mit getrennten Datenständen.

Ungeeignete Berechtigungen

Zu weitreichende oder unklare Zugriffsrechte erhöhen Fehler- und Missbrauchsrisiken.

Unzureichende Datenqualität

Unvollständige oder verspätete Informationen beeinträchtigen Reporting und Planung.

Wie können Unternehmen ihr Finanzwesen digitalisieren?

1. Prozesse erfassen

Zunächst werden bestehende Abläufe dokumentiert.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Rechnungseingang
  • Rechnungsprüfung
  • Rechnungsfreigabe
  • Zahlungsverkehr
  • Mahnwesen
  • Bankverarbeitung
  • Monatsabschluss
  • Budgetierung
  • Liquiditätsplanung
  • Anlagenverwaltung
  • Kostenrechnung

2. Medienbrüche identifizieren

Besonders relevant sind Stellen, an denen Informationen:

  • ausgedruckt werden
  • per E-Mail weitergegeben werden
  • manuell übertragen werden
  • in Tabellen ergänzt werden
  • mehrfach geprüft werden
  • außerhalb des ERP-Systems liegen

3. Verantwortlichkeiten klären

Für jeden Prozess sollte festgelegt sein:

  • Wer erfasst die Daten?
  • Wer prüft sie?
  • Wer gibt sie frei?
  • Wer darf Änderungen vornehmen?
  • Wer überwacht Ausnahmen?
  • Wer ist für Stammdaten verantwortlich?

4. Stammdaten verbessern

Wichtige Stammdaten sind unter anderem:

  • Kunden
  • Lieferanten
  • Sachkonten
  • Kostenstellen
  • Kostenträger
  • Zahlungsbedingungen
  • Bankverbindungen
  • Steuerschlüssel
  • Währungen
  • Anlageklassen
  • Kontierungsregeln

5. Prozesse standardisieren

Ähnliche Geschäftsvorfälle sollten nach nachvollziehbaren Regeln bearbeitet werden.

6. ERP-Integration nutzen

Finanzprozesse sollten möglichst eng mit Einkauf, Vertrieb, Lager, Fertigung und Projekten verbunden sein.

7. Workflows einführen

Freigaben und Prüfungen können nach definierten Regeln gesteuert werden.

8. Ausnahmen berücksichtigen

Nicht jeder Geschäftsvorfall folgt dem Standardprozess.

Ausnahmefälle müssen erkannt, dokumentiert und einer verantwortlichen Person zugewiesen werden.

9. Kennzahlen definieren

Kennzahlen benötigen:

  • eindeutige Definition
  • Datenquelle
  • Berechnungsregel
  • Zeitraum
  • Verantwortlichen
  • passenden Empfängerkreis

10. Wirkung überprüfen

Nach der Einführung sollten Unternehmen prüfen:

  • Sind Durchlaufzeiten kürzer?
  • Gibt es weniger manuelle Eingaben?
  • Ist die Datenqualität besser?
  • Werden Rechnungen schneller bearbeitet?
  • Sind offene Posten transparenter?
  • Stehen Auswertungen früher bereit?
  • Wurden Parallelprozesse beendet?

Automatisierung im Finanz- und Rechnungswesen

Digitale Systeme können wiederkehrende Aufgaben unterstützen oder teilweise automatisieren.

Mögliche Anwendungsbereiche sind:

  • Belegerfassung
  • Kontierungsvorschläge
  • Rechnungsprüfung
  • Freigabeworkflows
  • Zahlungsläufe
  • Zuordnung von Zahlungseingängen
  • Bankabstimmung
  • Mahnläufe
  • wiederkehrende Buchungen
  • Abgrenzungen
  • Reporting
  • Konsolidierung von Daten
  • Erkennung von Abweichungen

Automatisierung benötigt klare Regeln und eine ausreichende Datenqualität.

Nicht jeder Ausnahmefall sollte automatisch verarbeitet werden. Unternehmen müssen festlegen, wann eine menschliche Prüfung oder Freigabe erforderlich ist.

Künstliche Intelligenz im Finanzwesen

KI kann Finanz- und Rechnungswesen in geeigneten Anwendungsfällen unterstützen.

Dazu können gehören:

  • Belegklassifikation
  • Erkennung ungewöhnlicher Transaktionen
  • Prognose von Zahlungsströmen
  • Analyse von Forderungen
  • Unterstützung bei Kontierung
  • Erklärung von Abweichungen
  • Suche in Finanzdokumenten
  • Erstellung von Berichtsentwürfen

Vor einem Einsatz sollten Unternehmen prüfen:

  • Welches konkrete Problem wird gelöst?
  • Welche Daten werden verwendet?
  • Wie wird die Datenqualität sichergestellt?
  • Wer prüft die Ergebnisse?
  • Wie werden sensible Finanzdaten geschützt?
  • Welche Entscheidungen darf das System vorbereiten?
  • Welche Entscheidungen müssen Menschen treffen?
  • Wie werden Ergebnisse dokumentiert?

KI ersetzt keine kaufmännische Verantwortung und keine verbindliche Prüfung geschäftskritischer Vorgänge.

Datenqualität im Finanz- und Rechnungswesen

Finanzberichte und Planungen sind nur so zuverlässig wie die zugrunde liegenden Daten.

Typische Datenprobleme sind:

  • doppelte Geschäftspartner
  • falsche Zahlungsbedingungen
  • fehlerhafte Kontierungen
  • unvollständige Kostenstellen
  • verspätete Buchungen
  • fehlende Belege
  • falsche Mengeneinheiten
  • unklare Projektzuordnung
  • veraltete Bankdaten
  • uneinheitliche Kennzahlendefinitionen

Für wichtige Daten sollte geklärt sein:

  • Welches System ist führend?
  • Wer ist verantwortlich?
  • Wann werden Daten gepflegt?
  • Welche Qualitätsregel gilt?
  • Wie werden Fehler erkannt?
  • Wie erfolgt die Korrektur?
  • Welche Folgeprozesse sind betroffen?

Internes Kontrollsystem

Ein internes Kontrollsystem unterstützt ordnungsgemäße und nachvollziehbare Finanzprozesse.

Mögliche Kontrollmaßnahmen sind:

  • Funktionstrennung
  • Vier-Augen-Prinzip
  • Freigabegrenzen
  • Zugriffsbeschränkungen
  • Protokollierung
  • Kontenabstimmung
  • Plausibilitätsprüfung
  • Stammdatenkontrolle
  • dokumentierte Arbeitsabläufe
  • regelmäßige Überprüfung von Berechtigungen
  • Überwachung von Ausnahmen

Der konkrete Umfang hängt von Unternehmensgröße, Risiko, Prozess und geltenden Anforderungen ab.

Checkliste für Finanzwesen und Rechnungswesen

Organisation

  • Sind Aufgaben von Finanzwesen und Rechnungswesen klar abgegrenzt?
  • Sind Verantwortlichkeiten dokumentiert?
  • Gibt es eindeutige Freigaberegeln?
  • Ist die Zusammenarbeit mit Einkauf und Vertrieb geregelt?
  • Sind Produktion und Projektmanagement eingebunden?
  • Gibt es feste Ansprechpartner für Stammdaten?
  • Sind Eskalationswege definiert?

Finanzwesen

  • Gibt es eine aktuelle Liquiditätsübersicht?
  • Werden erwartete Ein- und Auszahlungen berücksichtigt?
  • Sind Finanzierung und Investitionsplanung miteinander verbunden?
  • Werden offene Forderungen überwacht?
  • Werden Fälligkeiten von Verbindlichkeiten berücksichtigt?
  • Sind finanzielle Risiken dokumentiert?
  • Werden Bankbeziehungen strukturiert verwaltet?
  • Sind Zahlungsfreigaben geregelt?

Rechnungswesen

  • Werden Geschäftsvorfälle vollständig erfasst?
  • Sind Buchungsregeln dokumentiert?
  • Sind Debitoren- und Kreditorenprozesse integriert?
  • Werden offene Posten regelmäßig abgestimmt?
  • Ist die Anlagenbuchhaltung aktuell?
  • Sind Kostenstellen und Kostenträger gepflegt?
  • Können Abschlussarbeiten nachvollziehbar durchgeführt werden?
  • Sind interne und externe Auswertungen klar getrennt?

Prozesse

  • Ist der Ablauf vom Kundenauftrag bis zur Zahlung durchgängig?
  • Ist der Ablauf von der Bestellung bis zur Zahlung integriert?
  • Werden Eingangsrechnungen mit Bestellungen und Wareneingängen verbunden?
  • Entstehen Ausgangsrechnungen auf Basis bestätigter Lieferungen oder Leistungen?
  • Sind Freigabeworkflows definiert?
  • Werden Ausnahmefälle strukturiert bearbeitet?
  • Sind Papier- und Tabellenprozesse reduziert?
  • Werden Bearbeitungszeiten überwacht?

ERP und Daten

  • Sind Finanzwesen und operative Prozesse integriert?
  • Gibt es eine zentrale Datenbasis?
  • Sind führende Systeme definiert?
  • Werden Daten mehrfach gepflegt?
  • Sind Schnittstellen dokumentiert?
  • Werden Schnittstellenfehler überwacht?
  • Sind Zugriffsrechte rollenbezogen?
  • Ist die Änderungshistorie nachvollziehbar?
  • Sind Geschäftsvorfälle mit ihren Ursprungsbelegen verbunden?

Stammdaten

  • Sind Kunden- und Lieferantenstammdaten vollständig?
  • Sind Zahlungsbedingungen korrekt?
  • Sind Bankinformationen geschützt und geprüft?
  • Ist der Kontenplan aktuell?
  • Sind Kostenstellen und Kostenträger eindeutig?
  • Sind Steuerschlüssel gepflegt?
  • Gibt es Regeln für Datenänderungen?
  • Werden doppelte Stammsätze erkannt?

Planung und Controlling

  • Sind Budgets mit operativen Planungen verbunden?
  • Gibt es regelmäßige Forecasts?
  • Werden Plan-Ist-Abweichungen analysiert?
  • Sind Kennzahlen eindeutig definiert?
  • Werden Ursachen statt nur Abweichungen betrachtet?
  • Sind Investitionsentscheidungen nachvollziehbar?
  • Werden Projekt- und Fertigungskosten ausgewertet?
  • Können Managementberichte zeitnah erstellt werden?

Automatisierung

  • Welche manuellen Tätigkeiten lassen sich vereinfachen?
  • Sind Prozesse vor der Automatisierung standardisiert?
  • Gibt es Regeln für automatische Buchungen?
  • Werden Ausnahmen an verantwortliche Personen weitergeleitet?
  • Sind Freigaben und Kontrollen berücksichtigt?
  • Wird die Qualität automatisierter Ergebnisse überprüft?
  • Sind Mitarbeitende ausreichend geschult?

Sicherheit und Kontrolle

  • Ist das Vier-Augen-Prinzip an kritischen Stellen umgesetzt?
  • Sind Zahlungsfreigaben getrennt?
  • Werden Berechtigungen regelmäßig überprüft?
  • Sind Änderungen an Bankdaten nachvollziehbar?
  • Werden Auffälligkeiten untersucht?
  • Sind Aufbewahrung und Zugriff geregelt?
  • Gibt es dokumentierte Vertretungsregelungen?
  • Sind Notfallprozesse vorhanden?

Häufige Fragen zum Finanzwesen und Rechnungswesen

Was ist Finanzwesen einfach erklärt?

Das Finanzwesen plant und steuert die finanziellen Mittel eines Unternehmens. Es beschäftigt sich unter anderem mit Liquidität, Finanzierung, Investitionen, Zahlungsverkehr und finanziellen Risiken.

Was ist Rechnungswesen einfach erklärt?

Das Rechnungswesen erfasst, dokumentiert und analysiert wirtschaftliche Vorgänge. Es liefert Informationen über Vermögen, Schulden, Erträge, Aufwendungen, Kosten und Leistungen.

Was ist der Unterschied zwischen Finanzwesen und Rechnungswesen?

Das Finanzwesen steuert die Beschaffung und Verwendung finanzieller Mittel. Das Rechnungswesen dokumentiert und bewertet die wirtschaftlichen Vorgänge, die dadurch oder durch das operative Geschäft entstehen.

Gehört Rechnungswesen zum Finanzwesen?

Das Rechnungswesen wird in vielen Unternehmen als Teil der übergeordneten Finanzfunktion verstanden. Die genaue organisatorische Einordnung kann sich unterscheiden.

Ist Buchhaltung dasselbe wie Rechnungswesen?

Nein. Die Buchhaltung ist ein wesentlicher Teil des Rechnungswesens. Das Rechnungswesen umfasst zusätzlich beispielsweise Kostenrechnung, Planungsrechnung, Kalkulation und interne Auswertungen.

Was gehört zum betrieblichen Finanzwesen?

Typische Bereiche sind Liquiditätsmanagement, Finanzierung, Investitionen, Zahlungsverkehr, Forderungsmanagement, Verbindlichkeitenmanagement, Treasury und Finanzrisikomanagement.

Was gehört zum Rechnungswesen?

Zum Rechnungswesen gehören unter anderem Finanzbuchhaltung, Kosten- und Leistungsrechnung, betriebliche Statistik, Planungsrechnung und Abschlussrechnung.

Was verbindet Finanzwesen und Rechnungswesen?

Beide Bereiche verwenden finanzielle Informationen. Das Rechnungswesen liefert dokumentierte Daten, während das Finanzwesen diese unter anderem für Liquiditäts-, Finanzierungs- und Investitionsentscheidungen nutzt.

Welche Rolle spielt ERP im Finanzwesen?

Ein ERP-System verbindet Finanz- und Rechnungswesen mit operativen Geschäftsprozessen. Dadurch können Daten aus Einkauf, Vertrieb, Lager, Fertigung und Projekten in Buchhaltung, Planung und Reporting einfließen.

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In der Produktbroschüre werden sämtliche Funktionen detailliert dargestellt und erläutert. Von der Materialwirtschaft über die Feinplanung bis hin zum Projektmanagement, kein Thema kommt hier zu kurz.

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Fazit: Finanzwesen und Rechnungswesen gemeinsam betrachten

Finanzwesen und Rechnungswesen erfüllen unterschiedliche, aber eng miteinander verbundene Aufgaben.

Das Finanzwesen befasst sich mit Beschaffung, Verwendung und Steuerung finanzieller Mittel. Es soll die Zahlungsfähigkeit sichern, Investitionen ermöglichen, Finanzierungsentscheidungen unterstützen und finanzielle Risiken begrenzen.

Das Rechnungswesen erfasst und bewertet die wirtschaftlichen Vorgänge des Unternehmens. Es schafft Transparenz über Vermögens-, Finanz- und Ertragslage und liefert Informationen für externe Nachweise sowie interne Planung und Steuerung.

Der Unterschied lässt sich auf eine einfache Formel bringen:

  • Das Finanzwesen steuert Geld und Kapital.
  • Das Rechnungswesen dokumentiert und analysiert wirtschaftliche Vorgänge.
  • Die Buchhaltung erfasst die zugrunde liegenden Geschäftsvorfälle.
  • Das Controlling nutzt diese Informationen für Planung und Unternehmenssteuerung.

In der Praxis dürfen diese Bereiche nicht isoliert voneinander arbeiten. Eine Liquiditätsplanung benötigt aktuelle Forderungen und Verbindlichkeiten. Eine Investitionsentscheidung benötigt Kosten-, Leistungs- und Ergebnisdaten. Die Nachkalkulation eines Fertigungsauftrags benötigt Informationen aus Materialwirtschaft, Produktion und Finanzbuchhaltung.

Ein integriertes ERP-System verbindet diese Informationen direkt mit den Prozessen, in denen sie entstehen. Kundenaufträge, Lieferungen, Bestellungen, Wareneingänge, Fertigungsaufträge, Projekte, Rechnungen und Zahlungen bilden dadurch zusammenhängende Vorgänge.

So entsteht aus Finanzwesen und Rechnungswesen nicht nur eine rückblickende Dokumentation. Beide Bereiche schaffen gemeinsam die Grundlage für finanzielle Stabilität, transparente Prozesse und fundierte Unternehmensentscheidungen.

 

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