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Ironman Hawaii 2018: Ein Nachbericht von abas IT Trainer Thilo Schmalkoke

abas IT Trainer Thilo beim Ironman in Hawaii

„40 Years of Dreams“ so das Motto für die diesjährige Triathlon Ironman Weltmeisterschaft in Kailua Kona auf der Trauminsel Hawaii. Geträumt habe ich allerdings während meines 9 tägigen Aufenthalts sehr wenig. Das lag offensichtlich daran, dass ich einfach zu wenig geschlafen habe.

Die Zeitumstellung hat mir ordentlich Probleme bereitet. Ein durchgehender Nachtschlaf war mir bis zum Wettkampftag nicht vergönnt. Trotz Schlafmangels waren die Tage vor dem Wettkampf aufregend, voll mit Emotionen, Erlebnissen und Eindrücken. 

Ein ganz besonderes Highlight war der Helikopterflug über den aktiven, rauchenden Vulkan Kilauea. Diese Bilder und der beißende Geruch nach Schwefel werden sich sicherlich für immer in mein Gedächtnis einprägen. Ähnlich intensiv sind die Eindrücke in der klirrenden Kälte, den Sonnenuntergang auf dem Mauna Kea – der höchste Berg der Erde gemessen vom Meeresgrund – zu erleben. 

Ein gänzlich anderes, einzigartiges und unbezahlbares Erlebnis, war die spontane Begegnung mit einer ganzen Gruppe von Delfinen beim morgendlichen Schwimmtraining auf der Wettkampfstrecke im offenen Pazifik. Keine fünf Meter entfernt ziehen fünf Delfine direkt neben mir Ihre Bahnen. Beim Blick nach unten ins Tiefe Blau entdecke ich weitere, zahlreiche kleinere Gruppen der Meeressäuger, die sich von meiner Anwesenheit nicht gestört fühlen. Ich bekomme den Eindruck, sie sind amüsiert von meinem schlechten Schwimmstil. Als ob sie mir zeigen wollen, wie es richtig geht, schießen einzelne Delfine direkt neben mir aus dem Wasser und drehen mehrfach Schrauben in der Luft. Ich bekomme eine Gänsehaut im 28 Grad warmen Pazifik. 

Ironman Hawaii - Sonnenuntergang

Zum sportlichen Teil: Für mich war es nach dem letzten Jahr die zweite Teilnahme bei diesem Mega Event auf der anderen Seite der Erde. Beim zweiten Mal ist alles anders. Schon merkwürdig. Es gibt keine zweite Chance für das erste Mal. Insgeheim beneide ich die zahlreichen Erststarter. Wahrscheinlich ist es die Unbekümmertheit, die mir zum Vorjahr fehlt. Oder es ist einfach das Wissen, um die kommenden Leiden bei diesem Wettkampf unter Extrembedingungen. 

Die Stimmung morgens am Start ist unbeschreiblich. Noch weit vor Sonnenaufgang drängen sich die 2.400 Athleten in die Wechselzone. Bevor man nochmals an sein Rad kommt, um die Reifen aufzupumpen und den Tacho anzubringen, werden allen Startern die Startnummern auf den Oberarm wahlweise geklebt, gestempelt oder einfach aufgemalt. Zum Abschluss werden nochmals alle gewogen. Dies dient dazu, im Notfall eine dramatische Gewichtsabnahme aufgrund einer Dehydrierung feststellen zu können.

Beim Gang durch die Wechselzone kommt man direkt an den Profis und deren Rädern vorbei. Diese sind spürbar genauso angespannt, wie wir normale Altersklassenathleten. Jeder hat jetzt seinen eigenen Ritus sich auf das Rennen einzustimmen. Von aufmunternden Zwiegesprächen, lockeren Dehnübungen und kurzer Meditation ist alles zu finden. Die Anspannung ist greifbar. 

Ironman Hawaii - Trauminsel

Um 7:05 ist dann endlich der Start der Altersklassenathleten, 30 Minuten nach den Profis und 15 Minuten vor dem Frauenfeld. Trotz der Vielzahl von kreisenden Armen bleibe ich größtenteils vor größeren Schlägen und Tritten verschont. Die Wellen im sehr salzigen Pazifik sind am Morgen auch noch vergleichsweise klein, so dass sich das Schwimmen sehr gut anfühlt. Nach der Hälfte der Strecke schwimmt man kurz um zwei Boote herum und dann geht es wieder zurück zum Startpunkt. Ich riskiere einen Blick auf die Uhr und freue mich über meine für mich schnelle Zeit. Diese ist jedoch sehr trügerisch. Beim Schwimmausstieg nach 3.900m holt mich die Realität schnell zurück auf den Boden der Tatsachen. 1:18 ist meine Schwimmzeit. Die Strömung war sehr stark, so dass ich auf dem Rückweg fast 20 Sekunden länger für 100m benötige als auf dem Hinweg.

Es bleibt aber keine Zeit zu hadern. Kurz das Salzwasser im Wechselzelt bestmöglich abduschen und rein in die Radschuhe. Am Rad noch schnell den Helm und die Sonnenbrille auf und weiter geht es auf den Queen K Highway. Das Wetter ist vergleichsweise bedeckt und kühl. Ein großes Problem auf der 180km langen Radstrecke ist das Windschatten fahren. Innerhalb von 15 Minuten steigen rund 1500 Athleten aus dem Wasser und müssen sich dann so auf dem Highway verteilen, dass jeder mit 12m Abstand zum Vordermann fährt. Eine rechnerische Unmöglichkeit. Immer wieder bilden sich kleine oder größere Gruppen. Die Wettkampfrichter versuchen durchzugreifen. An den Strafboxen bilden sich regelrecht Warteschlangen. Der größte Teil versucht aber regelkonform zu fahren. 

Für mich als schlechterer Schwimmer spielt die Windschatten Problematik eigentlich keine Rolle. Von Beginn an überhole ich andere Athleten. 

Ironman 2018 - Thilo auf dem Rad

Der befürchtete Wind bleibt aus. Selbst auf dem Anstieg zum Wendepunkt nach Hawi ganz im Norden von Big Island herrscht eine angenehme Flaute. In der Vergangenheit hat es hier einzelne Teilnehmer schon direkt von der Straße gepustet. Unter diesen Bedingungen verliert die Radstrecke Ihren Schrecken fast vollständig. Ich verbessere meine Radzeit aus dem Vorjahr um über 20 Minuten. 

Im Sinne einer guten Platzierung waren die Bedingungen für mich als kräftiger Fahrer aber nicht optimal. Die schwächeren Radfahrer konnten ohne die gefürchteten heftigen Seiten- und Frontalwinde gut mitrollen. Bei starkem Wind wäre meine Platzierung sicherlich um einiges besser gewesen. Es ist aber Wettkampf und kein Wunschkonzert. Und schlussendlich erfreue mich an der schnellen Radzeit. 

Wieder zurück in Kona springe ich vom Rad, laufe den langen Weg durch die Wechselzone, greife den vorbereiteten Beutel mit Laufsachen. Laufschuhe an, Sonnenbrille wechseln, Kappe auf und los. Inzwischen ist das Wetter wieder so wie man es erwartet. Sonnige 32 Grad bei 80 bis 90% Luftfeuchtigkeit. Eigentlich schwitzt man schon im Stehen und wir laufen jetzt einen Marathon. 

Ironman 2018 - Thilo Schmalkoke beim MarathonZunächst rennen wir eine Wendepunktstrecke durch den Ort auf dem Ali Drive. Hier stehen noch anfeuernde Zuschauer an der Strecke und ich hangele mich gedanklich von Hotelanlage zu Hotelanlage bis ich endlich am ersten Wendepunkt angelangt bin. Es tut von Beginn an weh. Bei einem lockeren Tempo steigt der Puls sofort in ungewohnte Höhen.

Schwämme mit kaltem Wasser und Eiswürfel direkt in den Rennanzug kühlen für einen kurzen Augenblick. Ich sehe schon nach wenigen Kilometern die ersten Athleten Gehpausen einlegen. Auf dem Ali Drive schaffe ich es noch ganz gut, meine Geschwindigkeit auf 5min/km zu halten. Nach 12 Kilometern folgt ein 500m steiler Anstieg (bestimmt 12 bis 15 %) auf der Palani Road aus dem Ort heraus. Jetzt beginnt wahrscheinlich für alle - mit Ausnahme der beiden Sieger Daniela Ryf und Patrick Lange - der härteste Teil des Tages. 

Es folgen 15 lange Kilometer über den Queen K Highway raus in das gefürchtete Energy Lab und die gleichen 15 langen Kilometer den gleichen Weg wieder zurück. Die Sonne brennt gnadenlos, Schatten Fehlanzeige. Die Straße verläuft in mehreren Wellen gefühlt immer bergauf. Nach einer Ewigkeit erreiche ich den Wendepunkt am Energy Lab. Trotz einer Vielzahl anderer Athleten fühlt man hier eine gewisse Einsamkeit. Hier ist die Temperatur und Luftfeuchtigkeit direkt am Meer noch etwas höher und es folgt der Anstieg zurück auf den Highway. Die Geschwindigkeit beim Laufen spielt längst keine Rolle mehr. Mir geht es darum mich Schritt für Schritt dem Ziel zu nähern. Ich schaffe es durchzulaufen, auch wenn das Tempo immer weiter abnimmt. An einen Wettkampf erinnert das Rennen schon lange nicht mehr. Es ist ein Kampf jedes Einzelnen mit sich selbst. Ich wünsche mir, schneller laufen zu können, allerdings nicht für eine schnellere Zielzeit oder eine bessere Platzierung, sondern einzig und allein um den Kampf früher beenden zu können. 

Ich überhole trotz sehr langsamer Geschwindigkeit eine Vielzahl von gehenden oder noch langsamer laufenden Athleten. Auffällig für mich, wenn ich selbst noch überholt werde, sind es in der Mehrzahl Frauen. Frauen sind wahrscheinlich einfach zäher und leidensfähiger. 

Zurück in Kona fangen die ersten Glücksgefühle an den Körper zu durchströmen. Noch eine kleine Runde durch den Ort und dann endlich der Zielbogen! Geschafft! „Thilo Schmalkoke, you are an Ironman!“ dröhnt es aus den Lautsprecherboxen. Ich würde gerne zusammensacken, befürchte danach aber nicht mehr aufstehen zu können. Ich wandere noch tapfer durch den Zielbereich, lasse mich mit schwerer Medaille, hawaiinischer Naturalienkette und Handtuch von mitfühlenden Freiwilligen empfangen. Ich spüre nur Zufriedenheit. Es war wieder eine unbeschreiblich intensive Erfahrung. Mein vorher gestecktes Ziel unter 11 Stunden bei Tageslicht das Ziel zu erreichen habe ich erreicht. 10 Stunden und 25 Minuten stehen am Ende auf der Uhr. 

Ich möchte mich an dieser Stelle ganz herzlich bedanken, bei allen Menschen, die mir diese Erfahrung möglich gemacht haben. Ganz besonders natürlich bei meiner Familie und im speziellen bei meiner Frau Barbara, die mir über die ganze lange Zeit den Rücken freigehalten hat. Ohne Ihre bedingungslose Unterstützung wäre mir dies alles nicht möglich gewesen.

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