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Elektroindustrie-Serie #1: Von Froschschenkeln zum Weltmarkt

Als der italienische Physiker Alessandro Volta um 1800 mit Metallen und Säuren experimentierte, war ihm die Tragweite seiner Forschungen vermutlich nicht bewusst – wollte er doch lediglich die These des Mediziners Galvani über „animalische Elektrizität“ in Froschschenkeln widerlegen. Zufallsprodukt oder nicht: Der von Volta konstruierte Prototyp der Batterie ermöglichte erstmals die Nutzung einer kontinuierlichen Stromquelle und diente so als Grundlage für zahlreiche Innovationen, die die Welt veränderten. Generator, Glühbirne, Elektromotor, Fließband … - die Elektrifizierung ebnete den Weg für Massenproduktion und Automatisierung und innerhalb weniger Jahrzehnte avancierte die Elektroindustrie zum zentralen Enabler der Industrialisierung. 

Bis heute zählt die Branche zu den wichtigsten Schrittmachern des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fortschritts. Grund genug, den Status Quo, die Herausforderungen und Chancen der Elektroindustrie näher unter die Lupe zu nehmen. 

Die Elektroindustrie in Zahlen: der Weltmarkt

Ob Automatisierungstechnik oder Batterien, Installations- oder Sicherheitssysteme, Kommunikation, Nanoelektronik, Sensoren oder Chip-Produktion: Mit einem Weltmarkt-Volumen von rund 3611 Milliarden Euro zählt die Elektroindustrie zu den umsatzstärksten globalen Branchen. Für 2017 erwartet der Branchenverband ZVEI ein durchschnittliches Wachstum von 4 Prozent. Insbesondere das „Internet der Dinge“ erschließt neue Geschäftsfelder, aber auch die prosperierende Mittelschicht in Schwellenländern wie China oder Indien befeuert die Umsatzzahlen. Nachfrage-Spitzenreiter 2015 war Asien mit 58 Prozent des globalen Marktvolumens (2094 Milliarden Euro), gefolgt von Amerika (726 Milliarden Euro) und Europa (671 Milliarden Euro). 

ERP Elektroindustrie

Deutsche Elektroindustrie gut aufgestellt

Mit knapp 850.000 Beschäftigten ist die deutsche Elektroindustrie nach dem Maschinen- und Anlagenbau die zweitgrößte Industriebranche Deutschlands. Weder die Wahl von Donald Trump, noch das Votum für den Brexit oder die Deflation der chinesischen Wirtschaft konnten den Wachstumskurs wesentlich beeinträchtigen: 179 Milliarden Euro Jahresumsatz bescherten der Branche 2016 den besten Wert seit der Finanzkrise 2009. Der größte Umsatzanteil entfiel auf Automationslösungen (45,7 Mrd. Euro), das größte Umsatzplus verzeichnete die Medizintechnik (+5,5%).

Als fünftgrößter Produzent von Elektronikprodukten weltweit verzeichnete die Branche 2016 auch bei den Exporten das dritte Rekordjahr in Folge (182,1 Mrd. Euro / +4,4%). Die Top 3 Abnehmerländer waren USA, China und Frankreich.

Kehrseite der Medaille: Die hohe Exportquote macht die Elektroindustrie in hohem Maße abhängig von Freihandelsabkommen – insbesondere mit den USA. 

Innovationstreiber Elektroindustrie

Könnten wir uns ein Leben ohne Mobiltelefon oder PC, ohne elektrisches Licht oder Kühlschrank noch vorstellen? Wohl kaum. Wie keine andere Branche prägt die Elektroindustrie unseren Alltag. Doch das Portfolio ist weitaus breiter als Hausgeräte und Unterhaltungselektronik. Ohne elektrische Antriebe, Automations- und Steuerungstechnik wäre die moderne industrielle Produktion von heute nicht möglich. In nahezu jedem technischen Produkt vom Maschinenbau bis Automotive finden sich Elektronikkomponenten, Tendenz steigend. 

Die Lösungen der Elektroindustrie …

  • schaffen die Infrastruktur für Industrie 4.0 und Digitalisierung 
  • ermöglichen sichere, umweltfreundliche und komfortable Mobilität
  • machen Gebäude smarter, sicherer und energieeffizienter
  • treiben die Energiewende voran
  • verbessern die Gesundheitsversorgung
  • stärken die Cybersicherheit

So vielseitig ihre Produkte sind, eines haben die Unternehmen der Elektroindustrie gemeinsam: Der Innovationsgrad ist überdurchschnittlich hoch. Gemessen am Umsatz liegen die Investitionen in Produkt- und Prozessinnovationen doppelt so hoch wie im verarbeitenden Gewerbe und mehr als dreieinhalbmal so hoch wie in der Gesamtwirtschaft. Rund ein Drittel des Branchenumsatzes entfällt auf Produktneuheiten.

Die immer kürzeren Produktlebenszyklen bergen allerdings ein hohes Risiko für Hersteller und Zulieferer. Time-to-Market und Kosteneffizienz werden zu maßgeblichen Erfolgsfaktoren für Elektronikunternehmen.

Die Elektroindustrie steht unter Strom

Fazit: Zwar kann die Elektroindustrie angesichts der stabilen Auftragslage nicht klagen – doch ähnlich wie in der Automotive-Branche verändern Trends wie Globalisierung, Rohstoffknappheit, Umweltrichtlinien und Freihandelsbeschränkungen die Regeln des Marktes drastisch. Darüber hinaus gilt die Elektroindustrie als Impulsgeber von Industrie 4.0 und spielt eine Schlüsselrolle für das Gelingen der digitalen Transformation.  

In Teil 2 dieser Serie werden wir die wichtigsten Herausforderungen der Branche genauer betrachten.

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